Kaum eine Spieleserie hat die Popkultur so geprägt wie Call of Duty. Seit dem ersten Teil im Jahr 2003 hat sich das Franchise zu einem der erfolgreichsten Entertainment-Produkte weltweit entwickelt, mit über 450 Millionen verkauften Exemplaren und jährlichen Einnahmen in Milliardenhöhe. Nun soll die Marke endlich auch auf der großen Leinwand durchstarten – unter der Leitung zweier prominenter Namen aus Hollywood.
Taylor Sheridan und Peter Berg übernehmen das Kommando
Wie das Branchenmagazin Variety berichtet, entwickeln Taylor Sheridan (Yellowstone, Sicario) und Peter Berg (Lone Survivor, Deepwater Horizon) gemeinsam das Drehbuch für die kommende Call of Duty-Verfilmung bei Paramount Pictures. Sheridan wird für das Drehbuch verantwortlich zeichnen, während Berg als Regisseur fungieren soll – ein Duo, das bereits mehrfach für realistisch inszenierte Action- und Militärfilme zusammengearbeitet hat.
Beide Filmemacher gelten als ausgewiesene Spezialisten für taktisch präzise inszenierte Spannung. Sheridan, selbst Sohn eines Polizisten und ehemaliger Schauspieler, machte sich mit Drehbüchern zu Hell or High Water und Sicario einen Namen. Berg wiederum inszenierte mit Lone Survivor (2013) einen der authentischsten Kriegsfilme der letzten Dekade. Gemeinsam wollen sie nun den realistischen Stil ihrer bisherigen Werke in die Welt von Call of Duty übertragen.
Paramount nutzt Sheridans letzten Vertrag
Interessanterweise entsteht das Projekt in einer Übergangsphase für Sheridan: Der Autor und Produzent wird seinen langfristigen Vertrag mit Paramount auslaufen lassen, um ab 2029 exklusiv für NBCUniversal zu arbeiten. Sein neuer Studio-Deal umfasst laut Brancheninsidern ein Volumen von rund 1 Milliarde US-Dollar. Bis dahin möchte Paramount jedoch noch maximal von Sheridans Kreativität profitieren – und Call of Duty könnte der letzte große Blockbuster unter seiner Regie für das Studio werden.
Für Paramount ist das Projekt strategisch bedeutsam: Nach Erfolgen mit den Sonic the Hedgehog-Filmen und der geplanten Assassin’s Creed-Serie für Paramount+ will das Studio seine Position im wachsenden Markt der Game-Adaptionen weiter ausbauen. Der Call of Duty-Film gilt dabei als Prestigeprojekt – mit dem Potenzial, ein ganzes filmisches Universum zu begründen.
Infobox: Erfolgreiche Game-Verfilmungen der letzten Jahre
| Titel | Studio | Release | Einspielergebnis | Bewertung (Metacritic) |
|---|---|---|---|---|
| Sonic the Hedgehog 2 | Paramount | 2022 | $405 Mio. | 69 |
| The Super Mario Bros. Movie | Illumination / Universal | 2023 | $1,36 Mrd. | 64 |
| Fallout (Serie) | Amazon Studios | 2024 | – | 86 |
| The Last of Us (Serie) | HBO | 2023 | – | 91 |
Call of Duty als Filmuniversum: Chancen und Herausforderungen
Die Entscheidung, Call of Duty als Film zu adaptieren, kommt nicht überraschend. Das Franchise bietet mit seinen zahlreichen Subreihen – von Modern Warfare über Black Ops bis Ghosts – reichlich erzählerisches Potenzial. Paramount plant laut internen Quellen zunächst einen eigenständigen Film, der im Stil von Black Hawk Down oder Zero Dark Thirty angelegt sein soll, mit Fokus auf Eliteeinheiten und taktische Kriegsführung. Bei Erfolg könnten weitere Filme und Spin-offs folgen.
Ein entscheidender Faktor wird dabei die Balance zwischen realistischer Kriegsdarstellung und Unterhaltung sein. Während die Spiele oft patriotische Elemente betonen, dürfte Sheridan – bekannt für seine moralisch ambivalenten Figuren – einen deutlich ernsteren, bodenständigeren Ansatz wählen. Fans erwarten eine Mischung aus emotionaler Tiefe und militärischer Authentizität.
Activision Blizzard und Microsoft im Hintergrund
Auch auf Seiten von Activision Blizzard ist das Projekt Teil einer langfristigen Expansionsstrategie. Nach der Übernahme durch Microsoft im Jahr 2023 will der Publisher seine führenden Marken stärker transmedial vernetzen. Neben dem Film sind laut Insidern auch begleitende Serienprojekte und ein Animationsableger für Paramount+ denkbar.
Der Call of Duty-Film könnte somit das Fundament für ein umfassendes Franchise bilden – ähnlich wie es Ubisoft mit Assassin’s Creed und Far Cry anstrebt. Durch die Beteiligung von Peter Berg, der bereits an Friday Night Lights und Patriots Day arbeitete, ist zumindest die filmische Expertise vorhanden, um militärische Action glaubhaft umzusetzen.
Hollywoods neue Liebe zum Gaming
In den letzten Jahren hat sich der Blick Hollywoods auf Videospiele drastisch verändert. Während frühe Adaptionen wie Doom oder Resident Evil noch auf oberflächliche Action setzten, streben aktuelle Projekte nach filmischer Qualität. Streaming-Dienste wie Netflix und Amazon investieren massiv in Game-Adaptionen, weil sie eine treue, junge Zielgruppe garantieren. Paramount hofft nun, mit Call of Duty einen ähnlich großen Erfolg zu landen – sowohl im Kino als auch auf dem eigenen Streamingdienst Paramount+.
Große Namen, großes Risiko
Mit Taylor Sheridan und Peter Berg vereint Paramount zwei der talentiertesten Köpfe des modernen Actionkinos für ein Projekt, das enormes Potenzial, aber auch hohe Erwartungen mit sich bringt. Der Call of Duty-Film könnte zum nächsten großen Meilenstein im Zusammenspiel von Gaming und Kino werden – vorausgesetzt, er findet die richtige Balance zwischen Authentizität, Emotion und Spektakel.