Starfield als Testlabor: Wie Bethesda die Creation Engine für Elder Scrolls 6 und Fallout 5 modernisiert

Hinter verschlossenen Türen hat Bethesda ausgewählten Influencern und Pressevertretern kürzlich einen Blick auf die Zukunft von Starfield gewährt. Dabei ging es nicht nur um neue Inhalte wie einen zweiten DLC oder eine mögliche PlayStation-5-Umsetzung, sondern vor allem um technische Verbesserungen, die weit über das Science-Fiction-Rollenspiel hinausreichen. Laut Xbox-Insider Jez Corden plant Bethesda eine strategische Überarbeitung der hauseigenen Creation Engine – mit Starfield als Testlabor für kommende Blockbuster wie The Elder Scrolls 6 und Fallout 5.

Microsofts Advanced Technology Group unterstützt Bethesda

Wie Jez Corden in der aktuellen Ausgabe des Xbox-Two-Podcasts berichtete, handelt es sich bei den geplanten Verbesserungen nicht um ein simples „Starfield 2.0″, sondern um eine tiefgreifende Modernisierung der Creation Engine. Dabei erhält Bethesda Unterstützung von Microsofts Advanced Technology Group – einer Abteilung, die sich auf die Optimierung und Weiterentwicklung von Technologien innerhalb des Xbox-Ökosystems spezialisiert hat.

Besonders interessant: Führungskräfte von The Coalition, dem Studio hinter der Gears-of-War-Reihe und einem der erfahrensten Unreal-Engine-Teams bei Microsoft, sind in das Projekt involviert. Hinzu kommt Kate Rayner, die umfangreiche Erfahrung mit Unreal-basierten Entwicklungs-Pipelines mitbringt. Diese Konstellation deutet darauf hin, dass Bethesda gezielt von der Expertise anderer Microsoft-Studios profitieren soll, um die Creation Engine auf ein neues technisches Niveau zu heben.

Unreal-Engine-Technologien als Inspiration für die Creation Engine

Ein zentraler Aspekt der geplanten Überarbeitung ist die Integration von Technologien und Arbeitsabläufen, die von der Unreal Engine inspiriert sind. Dabei geht es nicht darum, die Creation Engine komplett zu ersetzen oder auf Unreal umzusteigen, sondern bewährte Konzepte und moderne Entwicklungsmethoden zu adaptieren und in die bestehende Engine zu integrieren.

Die Unreal Engine gilt in der Branche als Goldstandard für moderne Grafik, effiziente Workflows und plattformübergreifende Entwicklung. Durch die Übernahme bestimmter Prinzipien – etwa bei Rendering-Techniken, Asset-Management oder Optimierungsprozessen – soll die Creation Engine zukunftssicher gemacht werden, ohne ihre einzigartigen Stärken zu verlieren.

Starfield als Testplattform für zukünftige Bethesda-Titel

Starfield nimmt in dieser Strategie eine Schlüsselrolle ein: Das Spiel dient als Testplattform, auf der neue Systeme, Features und technische Verbesserungen zunächst erprobt werden, bevor sie dauerhaft in die Engine integriert werden. Dieser Ansatz bietet mehrere Vorteile:

  • Praxisnahe Tests: Verbesserungen können in einer echten Spielumgebung mit Millionen aktiven Spielern getestet werden.
  • Iterative Entwicklung: Fehler und Schwachstellen lassen sich frühzeitig identifizieren und beheben.
  • Community-Feedback: Spieler können direkt Rückmeldung zu neuen Features geben, bevor diese in The Elder Scrolls 6 oder Fallout 5 zum Einsatz kommen.
  • Langfristige Unterstützung: Starfield profitiert von kontinuierlichen Updates und bleibt technisch relevant.

Dieser Ansatz erinnert an die Strategie anderer großer Studios, die Live-Service-Titel als Experimentierfeld für neue Technologien nutzen. Für Starfield-Spieler bedeutet das: Das Spiel wird auch Jahre nach Release weiterentwickelt und könnte sich technisch deutlich verbessern.

Was bedeutet das für The Elder Scrolls 6 und Fallout 5?

Die Überarbeitung der Creation Engine hat direkte Auswirkungen auf die beiden am sehnlichsten erwarteten Bethesda-Projekte: The Elder Scrolls 6 und Fallout 5. Beide Spiele werden voraussichtlich auf der modernisierten Version der Engine basieren und von den in Starfield erprobten Verbesserungen profitieren.

Konkret könnten folgende Bereiche verbessert werden:

  • Grafik und Rendering: Modernere Beleuchtungssysteme, verbesserte Texturen und realistischere Umgebungen
  • Performance: Stabilere Framerates, kürzere Ladezeiten und bessere Optimierung für verschiedene Plattformen
  • Weltgestaltung: Größere, nahtlosere Spielwelten mit weniger Ladebildschirmen
  • KI und NPC-Verhalten: Intelligentere Gegner und lebendigere Nicht-Spieler-Charaktere
  • Physik und Interaktivität: Realistischere Objektphysik und mehr Interaktionsmöglichkeiten

Allerdings betonte Corden, dass diese Informationen auf laufenden Recherchen und Branchengerüchten beruhen und nicht offiziell bestätigt sind. Dennoch ergibt die Strategie aus wirtschaftlicher und technischer Sicht Sinn: Statt für jedes neue Projekt bei null anzufangen, baut Bethesda eine solide technische Basis auf, die über mehrere Generationen hinweg genutzt werden kann.

Die Creation Engine: Stärken und Schwächen

Um die Bedeutung der geplanten Überarbeitung zu verstehen, lohnt ein Blick auf die Besonderheiten der Creation Engine. Die Engine, die auf der Gamebryo-Engine basiert und seit Morrowind kontinuierlich weiterentwickelt wurde, hat einzigartige Stärken, die Bethesda-Spiele auszeichnen:

  • Extrem interaktive Spielwelt: Fast jedes Objekt kann aufgehoben, verschoben und dauerhaft platziert werden – die Engine merkt sich Position und Zustand von unzähligen Items.
  • Komplexes Quest- und NPC-Management: Die Radiant-AI ermöglicht dynamische Quests und NPCs mit eigenen Tagesabläufen, Beziehungen und Inventaren.
  • Umfangreiche Mod-Unterstützung: Die Creation-Engine-Tools sind in der Community etabliert und ermöglichen tiefgreifende Modifikationen.
  • Riesige offene Welten: Die Engine kann massive Spielwelten mit Tausenden NPCs, Objekten und parallelen Skripten verwalten.

Gleichzeitig hat die Engine auch Schwächen, die in Starfield besonders deutlich wurden:

  • Häufige Ladebildschirme: Übergänge zwischen Bereichen erfordern oft Ladezeiten, was den Spielfluss unterbricht.
  • Veraltete Grafik: Im Vergleich zu modernen Engines wirken Beleuchtung, Animationen und Gesichtsdarstellungen oft veraltet.
  • Performance-Probleme: Gerade in dicht besiedelten Bereichen oder bei vielen Objekten kommt es zu Framerate-Einbrüchen.
  • Technische Bugs: Bethesda-Spiele sind berüchtigt für ihre zahlreichen Bugs, die oft auf Engine-Limitierungen zurückzuführen sind.

Warum Bethesda nicht auf eine andere Engine umsteigt

Immer wieder wird diskutiert, warum Bethesda nicht einfach auf eine moderne Engine wie die Unreal Engine umsteigt. Die Antwort liegt in den einzigartigen Eigenschaften der Creation Engine, die sich über Jahrzehnte entwickelt haben und für die es keine direkten Alternativen gibt.

Eine komplette Neuentwicklung oder Migration auf eine andere Engine würde nicht nur Jahre dauern und Unsummen kosten, sondern auch viele Features verlieren, die Bethesda-Spiele ausmachen. Die Mod-Community müsste komplett neu aufgebaut werden, und die komplexen Systeme für Quests, NPCs und Weltinteraktion müssten von Grund auf neu programmiert werden.

Stattdessen setzt Bethesda auf eine evolutionäre Weiterentwicklung: Die Stärken der Creation Engine bleiben erhalten, während moderne Technologien und Arbeitsweisen integriert werden. Dieser Ansatz ist pragmatisch und ermöglicht es, die bewährten Systeme zu bewahren, während gleichzeitig technische Schwächen ausgemerzt werden.

Zeitplan und Ausblick: Wann erscheinen The Elder Scrolls 6 und Fallout 5?

Die umfassende Überarbeitung der Creation Engine dürfte auch Auswirkungen auf die Veröffentlichungstermine der kommenden Bethesda-Blockbuster haben. The Elder Scrolls 6 befindet sich seit Jahren in Entwicklung, ein Release vor 2028 gilt als unwahrscheinlich. Fallout 5 dürfte noch weiter entfernt sein – Insider rechnen frühestens mit einem Launch in den frühen 2030er-Jahren.

Diese langen Entwicklungszeiten sind typisch für Bethesda-Projekte und spiegeln die Komplexität der Spiele wider. Mit der modernisierten Creation Engine könnten zukünftige Projekte jedoch effizienter entwickelt werden, was langfristig kürzere Entwicklungszyklen ermöglichen könnte.

Eine strategische Investition in die Zukunft

Die geplante Überarbeitung der Creation Engine ist mehr als nur ein technisches Update für Starfield – es ist eine strategische Investition in die Zukunft von Bethesda Game Studios. Indem das Studio Starfield als Testplattform nutzt und von der Expertise anderer Microsoft-Teams profitiert, legt es die Grundlage für die nächste Generation von Rollenspielen.

Für Spieler bedeutet das: Starfield wird weiterhin verbessert und könnte sich zu einem deutlich besseren Spiel entwickeln. Gleichzeitig dürfen Fans von The Elder Scrolls 6 und Fallout 5 auf technisch ausgereifte, moderne Rollenspiele hoffen, die die Stärken der Creation Engine bewahren und gleichzeitig zeitgemäße Grafik und Performance bieten.

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Luca ist leidenschaftlicher Gamer, Tech-Enthusiast und seit 2023 fester Bestandteil des Redakteursteams bei gamer.org. Ob aktuelle AAA-Releases, Indie-Highlights oder tiefgründige Analysen zu Game-Design – Luca liefert fundierte Inhalte mit persönlicher Note. Besonders schlägt sein Herz für Action-Adventures, Soulslikes und alles rund um kompetitives Multiplayer-Gaming. Mit einem Blick für Details und einem Gespür für Trends bringt er komplexe Themen verständlich auf den Punkt. Neben Gaming interessiert er sich für Popkultur, Storytelling und die Zukunft der Spieleindustrie. Seine Reviews und Meinungen sind ehrlich, kritisch – und immer nah an der Community.

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