Es war eines der ambitioniertesten und zugleich enttäuschendsten Filmprojekte der jüngeren Kinogeschichte: Sony’s Spider-Man Universe (SSU) sollte ein eigenständiges Superhelden-Filmuniversum rund um Venom, Morbius und andere Spider-Man-Charaktere aufbauen – ohne Spider-Man selbst. Das Ergebnis war eine Reihe von Flops, die das Studio 2024 zur Aufgabe zwangen. Doch jetzt ist klar: Das SSU ist nicht tot, sondern wird neu gestartet. Sony-Pictures-CEO Tom Rothman hat in einem Podcast-Interview bestätigt, dass ein „frisches Reboot” geplant ist – mit neuen Gesichtern und einem neuen Ansatz.
Was Tom Rothman gesagt hat – und was es bedeutet
Im Podcast The Town wurde Rothman direkt gefragt: „Ist das größere Spider-Verse tot?” Seine Antwort war klar: „Nein.” Sony Pictures plane, zu seinen Live-Action-Spin-offs zurückzukehren. Es werde sich um ein „frisches Reboot” handeln, und das Publikum werde dabei „neue Gesichter” zu sehen bekommen.
Rothman ergänzte mit einem bemerkenswerten Satz: „Knappheit hat ihren Wert – man muss dafür sorgen, dass das Publikum einen vermisst.” Das klingt nach einer bewussten Strategie: weniger Filme, mehr Qualität, längere Pausen zwischen den Veröffentlichungen. Eine Lehre, die Sony offenbar aus dem Scheitern des alten SSU gezogen hat.
Konkrete Details – Titel, Charaktere, Regisseure oder Starttermine – nannte Rothman nicht. Das Reboot befindet sich offenbar noch in einer frühen Planungsphase.
Das alte SSU: Eine Bilanz des Scheiterns
Zwischen 2018 und 2024 brachte Sony Pictures insgesamt sechs Live-Action-Kinofilme im Rahmen des SSU heraus. Die Bilanz ist ernüchternd:
| Film | Jahr | Einspielergebnis (weltweit) | Kritiken (Rotten Tomatoes) |
|---|---|---|---|
| Venom | 2018 | ca. 856 Mio. USD | 30 % (Kritiker) / 81 % (Publikum) |
| Morbius | 2022 | ca. 167 Mio. USD | 15 % (Kritiker) / 71 % (Publikum) |
| Venom: Let There Be Carnage | 2021 | ca. 213 Mio. USD | 58 % (Kritiker) / 83 % (Publikum) |
| Venom: The Last Dance | 2024 | ca. 139 Mio. USD | 41 % (Kritiker) / 87 % (Publikum) |
| Madame Web | 2024 | ca. 100 Mio. USD | 11 % (Kritiker) / 67 % (Publikum) |
| Kraven the Hunter | 2024 | ca. 60 Mio. USD | 15 % (Kritiker) / 72 % (Publikum) |
Während die Venom-Filme dank Tom Hardys charismatischer Darstellung noch ein treues Publikum fanden, waren Morbius, Madame Web und Kraven the Hunter sowohl bei Kritikern als auch an den Kinokassen Desaster. Kraven the Hunter spielte weltweit lediglich rund 60 Millionen US-Dollar ein – bei einem geschätzten Produktionsbudget von über 100 Millionen Dollar ein massiver Verlust. Im Dezember 2024 zog Sony die Konsequenzen und begrub das SSU offiziell.
Warum das SSU scheiterte – eine Analyse
Das Scheitern des SSU hatte mehrere strukturelle Ursachen, die über einzelne schlechte Filme hinausgehen:
- Kein Spider-Man: Das größte Problem war von Anfang an offensichtlich. Ein Spider-Man-Universum ohne Spider-Man ist schwer zu verkaufen. Die Charaktere wie Venom oder Morbius sind in der Comicwelt Antagonisten oder Antiheldendes Netzschwingers – ohne ihn fehlt der narrative Anker.
- Fehlende Kohärenz: Die Filme wirkten wie isolierte Einzelprojekte ohne gemeinsame Vision. Ein überzeugender Aufbau wie im MCU fehlte vollständig.
- Qualitätsprobleme: Madame Web und Kraven the Hunter wurden von Kritikern regelrecht zerrissen. Schwache Drehbücher, uninspirierte Inszenierung und fehlende emotionale Tiefe machten es dem Publikum schwer, sich zu begeistern.
- Überproduktion: Sony versuchte, zu schnell zu viele Charaktere zu etablieren, ohne die nötige Grundlage zu schaffen. Das Publikum war schlicht nicht bereit, in ein Universum zu investieren, das sich nicht zusammenhängend anfühlte.
- MCU-Konkurrenz: Gleichzeitig lief Tom Hollands Spider-Man im MCU äußerst erfolgreich – was die SSU-Filme im direkten Vergleich noch schwächer wirken ließ.
Das neue SSU: Was ein Reboot besser machen muss
Rothmans Ankündigung „neuer Gesichter” ist ein klares Signal: Die Darsteller des alten SSU – Tom Hardy als Venom, Jared Leto als Morbius, Dakota Johnson als Madame Web – werden nicht zurückkehren. Das gibt Sony die Möglichkeit, mit einem weißen Blatt zu beginnen.
Für ein erfolgreiches Reboot braucht Sony vor allem drei Dinge:
- Eine klare kreative Vision – einen Showrunner oder Produzenten, der das Universum zusammenhält, ähnlich wie Kevin Feige beim MCU.
- Qualität vor Quantität – weniger Filme, dafür mit höheren Standards bei Drehbuch und Regie.
- Eine Verbindung zu Spider-Man – ob durch eine Kooperation mit Marvel Studios oder durch eine clevere narrative Einbindung, die den Charakteren ihren Kontext gibt.
Alle aktuellen Spider-Man-Projekte von Sony im Überblick
Während das SSU-Reboot noch in der Planungsphase steckt, hat Sony bereits eine Reihe anderer Spider-Man-Projekte in der Pipeline – sowohl im Live-Action- als auch im Animationsbereich:
| Projekt | Format | Starttermin | Details |
|---|---|---|---|
| Spider-Noir | Serie (Prime Video) | 27. Mai 2026 | Noir-Thriller-Serie; Nicolas Cage als älterer Peter Parker |
| Spider-Man: Brand New Day | Kinofilm (MCU) | 30. Juli 2026 | 4. Solo-Abenteuer von Tom Hollands Peter Parker im MCU |
| Venom (Animationsfilm) | Animationsfilm | TBA | Regie: Zach Lipovsky & Adam B. Stein; Tom Hardy als Produzent |
| Spider-Gwen | Animationsfilm | TBA | Spin-off aus dem Spider-Verse-Universum |
| Spider-Punk | Animationsfilm | TBA | Spin-off aus dem Spider-Verse-Universum |
| Spider-Man: Beyond the Spider-Verse | Animationsfilm | 25. Juni 2027 (USA) | Abschluss der Miles-Morales-Trilogie |
| SSU-Reboot (Live-Action) | Kinofilm(e) | TBA | Frisches Reboot mit neuen Gesichtern; Details noch unbekannt |
Spider-Verse bleibt das Kronjuwel – und das aus gutem Grund
Während das Live-Action-SSU strauchelte, entwickelte sich das animierte Spider-Verse zum kritischen und kommerziellen Triumph. „Spider-Man: Into the Spider-Verse” (2018) gewann den Oscar für den besten Animationsfilm und revolutionierte das Genre visuell. „Across the Spider-Verse” (2023) wurde von Kritikern als eines der besten Animationsfilme aller Zeiten gefeiert.
Der Abschlussfilm „Beyond the Spider-Verse” ist für den 25. Juni 2027 in den USA geplant – nach mehreren Verschiebungen einer der meisterwarteten Animationsfilme der Dekade. Parallel dazu befinden sich Spin-offs zu Spider-Gwen und Spider-Punk in Entwicklung, die das Spider-Verse-Universum weiter ausbauen sollen.
Zwischen Neustart und Nostalgie – Sonys Spider-Man-Strategie 2026
Sony Pictures steht vor einer komplexen Aufgabe: Das Unternehmen muss gleichzeitig das Vertrauen des Publikums zurückgewinnen, das durch die SSU-Flops beschädigt wurde, und dabei ein neues Universum aufbauen, das langfristig funktioniert. Rothmans Aussage über „Knappheit” als Wert ist dabei ein vielversprechender Ansatz – weniger, aber bessere Inhalte können mehr bewirken als ein Überangebot mittelmäßiger Produktionen.
Für Fans ist die Botschaft klar: Das Spider-Man-Universum von Sony ist nicht am Ende. Es fängt gerade erst wieder an.