ROG Kithara im Test: ASUS baut ein Gaming-Headset für Audiophile

Mit dem ROG Kithara geht ASUS einen ungewöhnlichen Weg. Statt Funkverbindung, RGB-Beleuchtung und Software-Spielereien stehen ein offenes Design und große planarmagnetische Treiber von HIFIMAN im Mittelpunkt. Das Ergebnis richtet sich weniger an klassische Headset-Käufer und mehr an Spieler, die möglichst hochwertigen Klang für Gaming, Musik und Filme suchen.

100-mm-Planartreiber bilden das Herzstück

Das ROG Kithara wurde gemeinsam mit HIFIMAN entwickelt und setzt auf 100 Millimeter große planarmagnetische Treiber. Diese Technik arbeitet anders als die dynamischen Treiber vieler klassischer Gaming-Headsets und soll vor allem eine schnelle Ansprache, niedrige Verzerrungen und eine möglichst präzise Wiedergabe ermöglichen.

ASUS gibt einen ungewöhnlich breiten Frequenzbereich von 8 Hz bis 55 kHz an. Die Impedanz liegt bei vergleichsweise niedrigen 16 Ohm, wodurch das Headset grundsätzlich auch an gewöhnlichen PCs, Konsolen und mobilen Geräten betrieben werden kann. Ein zusätzlicher Kopfhörerverstärker ist damit nicht zwingend nötig, auch wenn hochwertige DACs und Verstärker natürlich weiterhin genutzt werden können.

Klanglich setzt das Kithara auf eine vergleichsweise neutrale und detailreiche Abstimmung. Bass, Mitten und Höhen sollen möglichst sauber voneinander getrennt bleiben, anstatt einzelne Frequenzen künstlich für spektakulärere Effekte hervorzuheben.

Offene Bauweise sorgt für eine breite Klangbühne

Besonders wichtig ist die offene Konstruktion der Ohrmuscheln. Anders als bei geschlossenen Gaming-Headsets können Luft und Schall nach außen entweichen. Dadurch entsteht eine größere und natürlicher wirkende Klangbühne.

Gerade in Spielen kann das Vorteile bringen. Schritte, Schüsse und andere Geräusche lassen sich räumlich präziser voneinander unterscheiden. In kompetitiven Shootern kann eine gute Stereo-Ortung deshalb wichtiger sein als künstlich erzeugter Surround-Sound.

Die Bauweise bringt allerdings einen deutlichen Nachteil mit sich: Das Kithara isoliert kaum gegen Außengeräusche. Gleichzeitig können Personen in der Umgebung hören, was gerade abgespielt wird. Für laute Räume, öffentliche Verkehrsmittel oder gemeinschaftlich genutzte Arbeitsplätze eignet sich das Headset damit deutlich weniger.

Das Kithara entfaltet seine Stärken vor allem in einer ruhigen Umgebung.

Beim Klang liegt die größte Stärke

Im praktischen Einsatz überzeugt das Headset besonders durch seine klare und ausgewogene Wiedergabe. Der Bass besitzt Druck, ohne andere Frequenzen zu überdecken, während Stimmen und Instrumente sauber dargestellt werden. Auch hohe Frequenzen bleiben detailliert, ohne unnötig scharf zu wirken.

Diese Abstimmung funktioniert nicht nur in Spielen. Musik und Filme gehören genauso zu den Einsatzgebieten, bei denen sich die planarmagnetischen Treiber bemerkbar machen. Das Kithara wirkt dadurch eher wie ein HiFi-Kopfhörer mit integriertem Gaming-Mikrofon als wie ein traditionelles Gaming-Headset.

Auf typische Klangmodi verzichtet ASUS weitgehend. Es gibt keine speziellen FPS-, Musik- oder Bassprofile, die sich per Knopfdruck wechseln lassen. Wer den Klang verändern möchte, muss auf externe Equalizer-Lösungen zurückgreifen.

Für Nutzer, die gern zahlreiche Einstellungen ausprobieren, kann das enttäuschend sein. Wer dagegen möglichst unverfälschten Klang bevorzugt, dürfte genau diesen Ansatz schätzen.

Mit 420 Gramm überraschend bequem

Mit einem Gewicht von 420 Gramm gehört das ROG Kithara nicht zu den leichten Headsets. Trotzdem fällt der Tragekomfort im längeren Einsatz positiv aus. ASUS kombiniert einen stabilen Metallrahmen mit einem gepolsterten, verstellbaren Kopfband, das das Gewicht besser verteilt.

Die großen Ohrmuscheln bieten viel Platz, während die offene Konstruktion gleichzeitig für mehr Luftzirkulation sorgt. Das kann insbesondere bei längeren Gaming-Sessions angenehmer sein als stark abgeschirmte geschlossene Modelle.

Zum Lieferumfang gehören außerdem zwei verschiedene Paar Ohrpolster. Nutzer können zwischen Velours und einer Kombination aus Kunstleder und Stoff wählen. Dadurch verändern sich sowohl das Tragegefühl als auch leicht die akustischen Eigenschaften.

Die Verarbeitung bewegt sich klar im Premium-Bereich. Metallene Elemente, stabile Gelenke und die großen offenen Ohrmuscheln vermitteln einen hochwertigen Eindruck.

Komplett kabelgebunden statt Wireless

Wer ein modernes Wireless-Headset erwartet, ist beim Kithara falsch. ASUS verzichtet vollständig auf Bluetooth und Funkbetrieb. Auch einen Akku gibt es nicht.

Stattdessen liegt der Fokus auf verschiedenen kabelgebundenen Anschlüssen. Unterstützt werden klassische 3,5-mm- und 6,3-mm-Klinken sowie ein symmetrischer 4,4-mm-Anschluss. Zusätzlich liegt ein USB-C-Adapter bei.

Damit lässt sich das Headset an PCs, Macs, PlayStation-Konsolen, Nintendo Switch, Smartphones, Tablets und geeigneten Audioverstärkern betreiben. Xbox-Konsolen können über die 3,5-mm-Buchse am Controller genutzt werden.

Gerade für Nutzer mit hochwertiger Audiohardware ist diese Auswahl ungewöhnlich vielseitig. Für Spieler, die sich während einer Partie frei bewegen möchten, bleibt das fehlende Wireless allerdings ein klares Argument gegen das Kithara.

Das MEMS-Mikrofon liefert klare Sprache

Auch beim Mikrofon versucht ASUS, näher an hochwertiger Audiotechnik als an typischen Gaming-Lösungen zu bleiben. Das abnehmbare MEMS-Boom-Mikrofon deckt einen Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz ab.

Stimmen werden klar und relativ natürlich übertragen. Für TeamSpeak, Discord und Ingame-Kommunikation reicht die Qualität problemlos aus. Das Mikrofon kann allerdings empfindlich auf Atemgeräusche und harte Plosivlaute reagieren. Ein etwas größerer Abstand zum Mund verbessert das Ergebnis deutlich.

Auch hier macht sich die offene Bauweise bemerkbar. Weil Außengeräusche nicht abgeschirmt werden, eignet sich das Headset samt Mikrofon am besten für ruhigere Räume.

Positiv ist die getrennte Signalführung für Kopfhörer und Mikrofon. Dadurch sollen störende Übersprechungen zwischen Audioausgabe und Spracheingabe vermieden werden.

Auf Gaming-Extras wird bewusst verzichtet

Das Kithara unterscheidet sich stark von anderen ROG-Produkten. RGB-Beleuchtung fehlt ebenso wie aktive Geräuschunterdrückung, drahtlose Verbindungen oder umfangreiche Software-Funktionen.

Auch virtuelle Surround-Modi und vorgefertigte Klangprofile gehören nicht zum Konzept. Das Headset gibt schlicht das Signal wieder, das ihm zugespielt wird.

Diese Reduktion kann zunächst ungewöhnlich wirken, vor allem bei einem Produkt mit ROG-Logo. Gleichzeitig ist sie konsequent: ASUS investiert den größten Teil des Aufwands in Treiber, Bauweise und mechanische Qualität statt in zusätzliche Gaming-Funktionen.

Dadurch eignet sich das Kithara auch hervorragend als gewöhnlicher HiFi-Kopfhörer. Das Mikrofon lässt sich abnehmen, wenn ausschließlich Musik gehört oder ein Film angesehen werden soll.

319,99 Euro machen das Kithara zum Nischenprodukt

Der offizielle Preis von 319,99 Euro macht deutlich, an welche Zielgruppe sich ASUS richtet. Für den gleichen Betrag gibt es bereits sehr gute Wireless-Headsets mit aktiver Geräuschunterdrückung, mehreren Funkstandards und umfangreichen Software-Paketen.

Beim Kithara bezahlt man dagegen vor allem für die Audiohardware. Die 100-mm-Planartreiber, offene Konstruktion, verschiedenen Anschlussmöglichkeiten und hochwertige Verarbeitung stehen im Vordergrund.

Für Gelegenheitsspieler ist das schwer zu rechtfertigen. Wer hauptsächlich Multiplayer-Spiele spielt und ein bequemes kabelloses Headset sucht, findet deutlich günstigere und praktischere Alternativen.

Audiophile Spieler, die bisher zwischen einem hochwertigen HiFi-Kopfhörer und einem separaten Gaming-Headset wechseln mussten, bekommen dagegen ein interessantes Gesamtpaket.

Klangqualität steht klar über Komfortfunktionen

Das ROG Kithara gehört zu den ungewöhnlichsten Headsets im aktuellen ASUS-Portfolio. Es versucht nicht, möglichst viele Funktionen in ein Gerät zu packen, sondern konzentriert sich auf eine sehr konkrete Stärke: möglichst hochwertigen Klang.

Die offenen 100-mm-Planartreiber liefern eine breite Bühne, hohe Detailauflösung und eine natürliche Abstimmung, während das MEMS-Mikrofon das Paket für Gaming komplettiert. Gleichzeitig müssen Käufer auf Wireless, ANC und typische Software-Extras verzichten.

Für 319,99 Euro ist das Kithara deshalb kein Headset für jeden. Wer jedoch Klangqualität deutlich höher bewertet als Komfortfunktionen und sein Setup überwiegend in einer ruhigen Umgebung nutzt, bekommt ein Gaming-Headset, das näher an klassischen HiFi-Kopfhörern liegt als an vielen gewöhnlichen Gaming-Modellen.

Written by
Als Journalistin und Gamerin der ersten Stunde hat Rebekah Preuß die Entwicklung der Gaming-Branche hautnah miterlebt. Mit tiefem Branchenwissen, scharfsinnigem analytischen Blick und absoluter Leidenschaft für Gaming-Kultur leitet und betreut sie die deutsche Sektion von gamer.org.

Have your say!

0 0

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>