Das Soulslike-Genre ist fest in der Hand von FromSoftware – doch CI Games will mit Lords of the Fallen 2 beweisen, dass es auch anders geht. In einem ausführlichen Entwicklertagebuch haben die Macher jetzt tiefe Einblicke in ihre Vision gegeben und versprechen nicht weniger als eine Evolution des Kampfsystems, die weit über die gängigen Genre-Standards hinausgeht. Doch können sie ihr ambitioniertes Versprechen einlösen?
Aus dem Schatten von FromSoftware: CI Games sucht eigene Identität
Lords of the Fallen 2 befindet sich derzeit in Entwicklung und soll die Fortsetzung zum 2023 veröffentlichten Reboot darstellen. Der erste Teil wurde von vielen Spielern als solider, wenn auch ungeschliffener Vertreter des Soulslike-Genres wahrgenommen – ein Spiel mit großem Potenzial, aber auch deutlichen Schwächen.
Genau diese Kritikpunkte will CI Games nun gezielt angehen. Doch das Studio hat noch größere Ambitionen: Während das Soulslike-Genre untrennbar mit dem Namen FromSoftware verbunden ist, möchte das Team mit Lords of the Fallen 2 konsequent eigene Wege gehen und eine eigenständige Identität entwickeln.
Creative Strategist Hill brachte es in einem neuen Video auf den Punkt: „Es ist wichtig, dass sich unser Spiel nicht einfach nur nach FromSoftware anfühlt.” Diese Aussage markiert den Anspruch des Studios, nicht länger als bloßer Nachahmer wahrgenommen zu werden, sondern als innovativer Entwickler, der das Genre aktiv weiterentwickelt.
Das Problem mit klassischen Soulslikes: Eindimensionale Angriffssysteme
In ihrem Entwicklertagebuch, über das GamesRadar berichtete, machten Hill und weitere Teammitglieder deutlich, dass man die Grundpfeiler des Genres zwar respektiert, aber gezielt verbessern möchte. Ein zentraler Kritikpunkt an klassischen Soulslikes sei die Eindimensionalität schwerer Angriffe.
„In einem typischen Soulslike-Spiel hast du deinen leichten Angriff und deinen schweren Angriff”, erklärt Hill. „Dein schwerer Angriff ist zwar etwas langsamer, aber der Lohn dafür ist, dass er etwas mehr Schaden anrichtet – und das war es im Grunde auch schon.”
Diese Vereinfachung, so argumentiert das Team, führe zu einem repetitiven Kampfgefühl, bei dem Spieler letztlich nur zwischen zwei Schadenswerten wählen, ohne dass ihre Entscheidungen tiefgreifende taktische Konsequenzen hätten. Lords of the Fallen 2 soll dieses Problem durch ein deutlich komplexeres Angriffssystem lösen.
Taktische Tiefe statt reiner Schadenswerte: Das neue Kampfsystem
Für Lords of the Fallen 2 hat sich CI Games vorgenommen, schweren Angriffen eine taktische Dimension zu verleihen, die über den reinen Schadenswert hinausgeht. Attacken sollen gezielt eingesetzt werden können, um spezifische Kampfsituationen zu meistern:
- Schildbrecher: Schwere Angriffe können die Deckung von Schildträgern durchbrechen und diese verwundbar machen
- Taumel-Mechanik: Gezielte schwere Schläge bringen Gegner ins Wanken und eröffnen Gelegenheiten für Folgeangriffe
- Aufladbare Attacken: Spieler können schwere Angriffe aufladen und mit zusätzlicher Macht versehen, was noch stärkere Effekte erzielt
- Situative Vorteile: Verschiedene Angriffstypen eignen sich für unterschiedliche Gegnertypen und Kampfsituationen
Game Director James Lowe betonte, dass es darum gehe, Spieler zum Experimentieren zu ermutigen: „Ja, sie können zuschlagen und die Hölle über sie hereinbrechen lassen, aber sie können diesen Angriff sogar aufladen und ihn mit Macht erfüllen, was dann noch mehr bewirkt.”
Micro-Loops: Intensive Entscheidungsmomente im Kampf
Ein zentrales Konzept in der Kampfphilosophie von Lords of the Fallen 2 sind sogenannte „Micro-Loops” – kurze, aber intensive Entscheidungsmomente in stressigen Kampfsituationen. Spieler sollen ständig abwägen müssen: Reicht ein schneller Schlag oder lade ich eine schwere Attacke für den entscheidenden Durchbruch auf?
Diese Micro-Loops sollen das Kampfgefühl dynamischer und strategischer gestalten. Statt einfach nur Knöpfe zu drücken, müssen Spieler die Situation analysieren, Gegnerverhalten antizipieren und ihre Angriffe entsprechend anpassen. Jede Entscheidung soll Konsequenzen haben – sowohl positive als auch negative.
Das System erinnert an die Posture-Mechanik aus Sekiro: Shadows Die Twice, geht aber laut den Entwicklern noch einen Schritt weiter, indem es mehr Variabilität und Anpassungsmöglichkeiten bietet.
Geschwindigkeit trifft Gewicht: Die Balance zwischen Agilität und Impact
Wie die Entwickler bereits in früheren Interviews enthüllten, sollen mit Lords of the Fallen 2 vor allem die Agilität und die Geschwindigkeit im Kampf erhöht werden. Das Spiel soll sich flüssiger und reaktionsschneller anfühlen als sein Vorgänger, der oft für seine träge Steuerung kritisiert wurde.
Doch das Genre-typische Trefferfeedback soll dadurch nicht verloren gehen. Hill spricht von der Notwendigkeit, das „Gefühl von Gewicht und Verbindlichkeit” beizubehalten, während Lowe ergänzte: „Jeder Knopfdruck ist eine Konsequenz, die ich planen muss.”
Diese Balance zwischen Geschwindigkeit und Gewicht ist eine der größten Herausforderungen im Soulslike-Design. Zu langsam fühlt sich das Spiel träge an, zu schnell verliert es die charakteristische Schwere und Konsequenz, die das Genre auszeichnet. CI Games scheint sich dieser Herausforderung bewusst zu sein und arbeitet aktiv daran, den Sweet Spot zu finden.
Der Kampf als Tanz: Zwischen Machtfantasie und taktischem Tiefgang
Am Ende soll der Kampf in Lords of the Fallen 2 wie ein „Tanz” wirken – ein Vergleich, den viele Genre-Fans bereits von Titeln wie Sekiro oder Lies of P kennen. Doch Lowe möchte noch einen Schritt weiter gehen und einen Wechsel zwischen purer Machtfantasie und taktischem Tiefgang bieten.
„Man hat dieses Gefühl [des Tanzes] im Überfluss, aber man ist eben auch in der Lage, Dinge einfach niederzumähen”, erklärt Lowe. „Es ist diese ‚Dark Crusader’-Fantasie, oder? Einfach Aggressivität, reinlaufen, Köpfe abreißen und eine gute Zeit haben. Und dann mit etwas konfrontiert werden, bei dem man denkt: ‚Oh Scheiße, jetzt muss ich nachdenken. Erstmal Lage prüfen. Und jetzt wieder rein.'”
Diese Dualität – zwischen dem befriedigenden Gefühl, schwächere Gegner mühelos zu besiegen, und der Herausforderung, gegen ebenbürtige oder überlegene Feinde strategisch vorzugehen – könnte Lords of the Fallen 2 von anderen Soulslikes abheben.
Kritische Stimmen: Ist das wirklich revolutionär?
Trotz der ambitionierten Versprechen gibt es auch kritische Stimmen in der Community. Einige Spieler weisen darauf hin, dass viele der als „neu” präsentierten Mechaniken bereits in FromSoftware-Spielen existieren. Schwere Angriffe können in Dark Souls, Bloodborne und Elden Ring bereits Schilde durchbrechen und Gegner zum Taumeln bringen.
Die Posture-Mechanik, die CI Games als Innovation präsentiert, wurde bereits in Sekiro perfektioniert. Auch das Aufladen von Angriffen ist kein neues Konzept – viele Waffen in Elden Ring bieten aufladbare Spezialangriffe mit unterschiedlichen Effekten.
Die Frage ist also: Bietet Lords of the Fallen 2 wirklich eine Revolution oder nur eine Evolution bestehender Konzepte? Die Antwort wird sich erst zeigen, wenn Spieler das fertige Produkt in den Händen halten. Möglicherweise liegt die Innovation nicht in einzelnen Mechaniken, sondern in deren Kombination und Umsetzung.
Die Herausforderungen des ersten Teils: Was muss besser werden?
Der 2023 erschienene erste Teil von Lords of the Fallen (ein Reboot des 2014er Originals) wurde gemischt aufgenommen. Während viele Spieler das ambitionierte Zwei-Welten-System und die düstere Atmosphäre schätzten, gab es auch deutliche Kritikpunkte:
- Schwammiges Kampfgefühl: Viele Spieler beklagten verzögerte Eingaben und fehlendes Feedback bei Treffern
- Technische Probleme: Performance-Issues und Bugs trübten das Spielerlebnis, besonders zum Launch
- Nerviges Laternen-System: Das Umbra-Laternen-Feature, das zwischen den Welten wechselt, wurde nach anfänglicher Begeisterung als störend empfunden
- Unausgewogenes Weltdesign: Einige Gebiete wirkten lieblos gestaltet oder überladen mit Gegnern
- Schwierigkeitsgrad: Das Spiel galt als zu einfach für Soulslike-Veteranen
CI Games hat nach dem Launch mit mehreren großen Updates reagiert und viele dieser Probleme adressiert. Version 2.5 verbesserte das Kampfgefühl, reduzierte nervige Gegner-Spawns in der Umbra-Welt und optimierte die Performance. Dennoch blieb der Eindruck eines ungeschliffenen Diamanten.
Für Lords of the Fallen 2 muss das Studio beweisen, dass es aus diesen Fehlern gelernt hat. Die großen Versprechen bezüglich des Kampfsystems sind ein guter Anfang, aber nur wenn die technische Umsetzung stimmt und das Gesamtpaket überzeugt, kann das Spiel sein Potenzial entfalten.
Das Laternen-System kehrt zurück: Fluch oder Segen?
Eine Information, die einige Fans enttäuschen dürfte: Das Laternen-System aus dem ersten Teil kehrt in Lords of the Fallen 2 zurück. Die Umbra-Laterne, mit der Spieler zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten wechseln können, war eines der Alleinstellungsmerkmale des Vorgängers – aber auch einer der umstrittensten Aspekte.
Während das Konzept auf dem Papier innovativ klingt, empfanden viele Spieler die ständige Notwendigkeit, zwischen den Welten zu wechseln, als nervig und den Spielfluss störend. Besonders in Kombination mit den häufigen Gegner-Spawns in der Umbra-Welt führte dies zu Frustration.
CI Games steht vor der Herausforderung, das System für den zweiten Teil zu verfeinern und besser in das Gameplay zu integrieren. Wenn es gelingt, die Laternen-Mechanik organischer und weniger aufdringlich zu gestalten, könnte sie zu einem echten Alleinstellungsmerkmal werden. Scheitert das Studio jedoch erneut, droht das Feature zum Hauptkritikpunkt zu werden.
Brutales Gliedmaßen-System und neue Charaktere
Neben dem überarbeiteten Kampfsystem hat CI Games bereits weitere Features für Lords of the Fallen 2 angekündigt. Ein besonders brutales Gliedmaßen-System soll es ermöglichen, Gegnern gezielt Körperteile abzutrennen, was nicht nur visuell beeindruckend sein soll, sondern auch gameplay-relevante Konsequenzen hat.
Ein Gegner ohne Schwertarm ist deutlich weniger gefährlich, während ein Bogenschütze ohne Arme praktisch harmlos wird. Dieses System könnte strategische Tiefe hinzufügen und Spielern mehr Kontrolle über Kampfsituationen geben.
Zudem wurde mit Omeuras ein neuer Charakter vorgestellt, der eine wichtige Rolle in der Story spielen soll. Details zur Handlung hält CI Games bislang noch zurück, doch die düstere Fantasy-Atmosphäre des ersten Teils soll beibehalten und weiter ausgebaut werden.
FromSoftware unter Druck: Die Konkurrenz wird stärker
Interessanterweise kommt Lords of the Fallen 2 zu einem Zeitpunkt, an dem FromSoftware selbst unter zunehmendem Druck steht. Während das japanische Studio jahrelang das Soulslike-Genre dominierte, haben andere Entwickler in den letzten Jahren massiv aufgeholt.
Spiele wie Lies of P, Wo Long: Fallen Dynasty, Nioh 2 und Remnant 2 zeigen, dass auch andere Studios hochwertige Soulslike-Erfahrungen liefern können. Technisch und grafisch sind viele dieser Titel mittlerweile auf Augenhöhe oder sogar überlegen – FromSoftwares Spiele wirken zunehmend altbacken, besonders was Animationen und Grafik betrifft.
Einzig Sekiro: Shadows Die Twice sticht als echte Innovation heraus, während die Dark Souls-Reihe und Elden Ring im Kern das gleiche Konzept seit Demon’s Souls (2009) wiederholen. Diese Stagnation könnte Raum für Konkurrenten wie CI Games schaffen, die bereit sind, das Genre weiterzuentwickeln.
Release-Termin und Plattformen: Was ist bekannt?
Lords of the Fallen 2 soll noch 2026 für PlayStation 5, Xbox Series X/S und PC erscheinen. Ein konkreter Release-Termin steht allerdings noch aus. Angesichts der Tatsache, dass das Spiel noch in diesem Jahr erscheinen soll, dürfte eine offizielle Ankündigung in den kommenden Monaten erfolgen.
Für die Last-Gen-Konsolen PlayStation 4 und Xbox One ist keine Version geplant – eine nachvollziehbare Entscheidung, da das Spiel die Leistung moderner Hardware voll ausnutzen soll. Auch eine Nintendo Switch-Version ist nicht in Planung, was angesichts der technischen Anforderungen wenig überraschend ist.
PC-Spieler dürfen sich auf eine Version freuen, die laut CI Games von Anfang an für die Plattform optimiert wird. Nach den Performance-Problemen des ersten Teils zum Launch ist dies eine wichtige Zusage.
Große Worte, große Erwartungen: Kann CI Games liefern?
Die Versprechen von CI Games klingen beeindruckend, doch die Gaming-Industrie ist voll von ambitionierten Ankündigungen, die letztlich nicht eingelöst wurden. Die Lords of the Fallen-Reihe hat bereits zweimal versucht, sich zu etablieren – 2014 mit dem Original und 2023 mit dem Reboot – und beide Male blieb das Potenzial teilweise ungenutzt.
Für Lords of the Fallen 2 steht viel auf dem Spiel. Das Studio muss beweisen, dass es nicht nur große Worte, sondern auch die Fähigkeit besitzt, diese in ein überzeugendes Spielerlebnis umzusetzen. Die Community ist skeptisch, aber auch hoffnungsvoll – viele Spieler würden gerne eine echte Alternative zu FromSoftware sehen.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob CI Games sein Versprechen einlösen kann. Wenn das Studio es schafft, ein technisch solides, spielerisch innovatives und inhaltlich überzeugendes Soulslike abzuliefern, könnte Lords of the Fallen 2 tatsächlich zu einem Game-Changer werden. Scheitert es jedoch erneut, dürfte die Geduld der Spieler endgültig erschöpft sein.
Ambitioniert, aber riskant
Lords of the Fallen 2 steht vor einer gewaltigen Herausforderung: Das Spiel muss nicht nur die Fehler des Vorgängers korrigieren, sondern auch beweisen, dass es mehr ist als nur ein weiterer FromSoftware-Klon. Die Versprechen bezüglich des Kampfsystems klingen vielversprechend, doch letztlich zählt nur die Umsetzung.
Die Idee, schweren Angriffen mehr taktische Tiefe zu verleihen und ein dynamischeres Kampfgefühl zu schaffen, ist grundsätzlich richtig. Wenn CI Games es schafft, diese Vision zu realisieren und gleichzeitig die technischen und spielerischen Probleme des ersten Teils zu vermeiden, könnte Lords of the Fallen 2 tatsächlich zu einem Highlight des Soulslike-Genres werden.
Bis dahin bleibt gesunde Skepsis angebracht. Die Gaming-Community hat gelernt, Marketing-Versprechen mit Vorsicht zu genießen. Erst wenn das Spiel in den Händen der Spieler ist, wird sich zeigen, ob Lords of the Fallen 2 die versprochene Revolution liefert – oder nur eine weitere Enttäuschung wird.