“Ja” zu freizügigen Outfits: Das Statement des CEO
Auslöser der Debatte war eine direkte Fan-Anfrage auf X. Ein Nutzer wollte wissen, ob es im kommenden Sequel auch “attraktive weibliche Charaktere” sowie “freizügige Outfits und Rüstungen” geben werde. Die Antwort von Marek Tyminski fiel so knapp wie eindeutig aus: “Ja.”
Diese Bestätigung ist mehr als nur eine Randnotiz; sie markiert eine strategische Neuausrichtung des Studios Hexworks. Tyminski, der seit Ende 2024 auch die direkte Leitung des Entwicklerteams übernommen hat, erklärte weiter, dass man bewusst einen Weg abseits der “politischen Korrektheit” einschlagen wolle. Spiele sollten in erster Linie “Spaß machen” und nicht als Vehikel für gesellschaftspolitische Botschaften dienen.
Der “Stellar Blade”-Effekt: Warum CI Games diesen Weg geht
Es ist schwer, diese Entscheidung nicht im Kontext des massiven Erfolgs von Stellar Blade zu sehen. Das Action-Spiel des koreanischen Entwicklers Shift Up dominierte 2024 die Verkaufscharts und bewies, dass es nach wie vor einen riesigen Markt für Spiele gibt, die auf stilisierte, attraktive Protagonistinnen setzen. CI Games scheint diesen Trend genau analysiert zu haben.
Die Branche spaltet sich zunehmend in zwei Lager:
- Der westliche Ansatz: Fokus auf Realismus, Inklusion und “Safe Space”-Design (oft kritisiert als “Woke”).
- Der östliche Ansatz (und nun CI Games): Fokus auf Ästhetik, Fantasie und klassische “Power Fantasy”-Elemente.
Indem sich CI Games klar im zweiten Lager positioniert, versuchen sie, die Zielgruppe abzugreifen, die sich von westlichen AAA-Produktionen zunehmend entfremdet fühlt.
Rückblick: Was lief beim Vorgänger “falsch”?
Tyminski ging sogar so weit, frühere Entscheidungen des Studios als Fehler zu bezeichnen. Beim 2023 veröffentlichten Vorgänger Lords of the Fallen gab es Kritik an der Charaktererstellung, insbesondere an der Benennung der Körpertypen (A/B statt Mann/Frau) und dem eher konservativen Design der Rüstungen.
Der CEO gab zu, dass das Studio damals Entscheidungen getroffen habe, die von “politischer Korrektheit und Filterung” beeinflusst waren. Diese Zeiten seien nun vorbei. Das Studio sei “vollständig integriert” und höre nun auf “echtes Spieler-Feedback”. Dies ist ein direkter Seitenhieb auf Beratungsfirmen wie Sweet Baby Inc., die in der Gamer-Community oft für die Durchsetzung von DEI-Richtlinien verantwortlich gemacht werden.
Gameplay-Fokus: Brutalität und Unreal Engine 5
Abseits der Charakter-Debatte soll Lords of the Fallen 2 aber vor allem spielerisch überzeugen. Das Spiel wird als “richtiges Soulslike” beworben, das keine Gefangenen macht. Ein neuer Verstümmelungsmechanismus soll die Kämpfe noch wuchtiger und brutaler gestalten – auch dies eine direkte Reaktion auf Fan-Wünsche nach mehr Härte.
Technisch setzt das Spiel erneut auf die Unreal Engine 5. Wir können also davon ausgehen, dass die versprochenen “attraktiven Charaktere” und die düstere Spielwelt in höchster grafischer Qualität dargestellt werden. Ein ungeschnittener Gameplay-Trailer wurde bereits angekündigt und soll bald folgen.
Marktanalyse: Ein riskantes, aber profitables Manöver?
Die Entscheidung von CI Games ist riskant, aber kalkuliert. Während man Gefahr läuft, Kritik von progressiven Medien und Teilen der Öffentlichkeit zu ernten, sichert man sich die Loyalität einer kaufkräftigen Core-Gamer-Basis, die genau nach solchen Inhalten dürstet. Die folgende Tabelle zeigt die strategische Positionierung im Vergleich:
| Aspekt | Lords of the Fallen (2023) | Lords of the Fallen 2 (2026) |
|---|---|---|
| Design-Philosophie | Vorsichtig, Modern Audience | Ungefiltert, Core Gamer |
| Charakter-Design | Realistisch, bedeckt | Attraktiv, freizügig (“Sex Sells”) |
| Kommunikation | Standard PR | Direkt, Anti-PC |
| Vorbild | Dark Souls | Elden Ring trifft Stellar Blade |
Ein neues Kapitel für Hexworks
Mit dem Release im Jahr 2026 für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC hat CI Games noch Zeit, diesen neuen Kurs zu festigen. Die klare Absage an DEI-Elemente und die Hinwendung zu dem, was Tyminski als “echtes Spieler-Feedback” bezeichnet, könnte Lords of the Fallen 2 zu einem der kontroversesten, aber vielleicht auch erfolgreichsten Titel des Jahres machen.