Light of Motiram eingestellt: Sony gewinnt Rechtsstreit gegen Tencent

Ein Open-World-Abenteuer mit mechanischen Dinosauriern, üppiger Vegetation und einer rothaarigen Protagonistin – klingt nach Horizon Zero Dawn? Genau das war das Problem. Light of Motiram, entwickelt vom chinesischen Studio Aurora Studios unter der Ägide des Mega-Publishers Tencent, sorgte bereits bei seiner ersten Präsentation für Kontroversen. Die Ähnlichkeiten zu Sonys erfolgreicher Horizon-Reihe waren derart frappierend, dass der japanische Konzern rechtliche Schritte einleitete. Nun ist der Fall abgeschlossen – mit einem klaren Sieger.

Außergerichtliche Einigung besiegelt das Schicksal

Wie das Gaming-Portal PlayStationLifestyle unter Berufung auf The Verge berichtet, haben sich Sony Interactive Entertainment und Tencent auf eine außergerichtliche Einigung verständigt. Der Rechtsstreit, der im Sommer 2025 begann, gilt damit als offiziell abgeschlossen. Die Konsequenzen für Light of Motiram sind jedoch drastisch: Das Spiel wurde aus allen digitalen Stores entfernt und scheint komplett eingestellt worden zu sein.

Während die offizielle Homepage des Spiels noch online ist, führen sämtliche Links zu den geplanten Veröffentlichungsplattformen ins Leere. Weder auf Steam noch im Epic Games Store ist Light of Motiram noch auffindbar. Auch der offizielle Trailer wurde von den meisten Kanälen entfernt – ein deutliches Zeichen dafür, dass Tencent das Projekt aufgegeben hat.

Die verräterischen Parallelen zu Horizon

Die Ähnlichkeiten zwischen Light of Motiram und der Horizon-Serie waren von Anfang an unübersehbar. Bereits das erste veröffentlichte Material zeigte Elemente, die Fans sofort an Guerrilla Games’ Meisterwerk erinnerten:

  • Eine rothaarige Protagonistin mit kunstvoll geflochtenen Haaren
  • Mechanische Kreaturen in Tiergestalt, darunter Skorpione und Giraffen
  • Ein dreieckiges Scan-Gerät zur Analyse der Maschinenwesen
  • Üppige Dschungellandschaften mit technologischen Überresten
  • Ein postapokalyptisches Setting mit Stammes-Ästhetik
  • Ähnliche Kampfmechaniken mit Bogen und Speer

Sony bezeichnete Light of Motiram in der Klageschrift als einen „sklavischen Klon” der Horizon-Spiele und warf den Entwicklern vor, potenzielle Käufer absichtlich täuschen zu wollen. Die Vorwürfe umfassten nicht nur visuelle Ähnlichkeiten, sondern auch Gameplay-Mechaniken und das gesamte künstlerische Konzept.

Tencents gescheiterte Horizon-Ambitionen

Besonders brisant: Laut Gerichtsdokumenten hatte Tencent Sony zuvor einen Vorschlag für ein offizielles Horizon-Spinoff unterbreitet, der jedoch abgelehnt wurde. Diese Ablehnung könnte der Auslöser dafür gewesen sein, dass Tencent beschloss, ein eigenes, sehr ähnliches Projekt zu entwickeln. Eine Strategie, die sich als fataler Fehler herausstellte.

Der chinesische Technologieriese Tencent ist bekannt für seine aggressive Expansionsstrategie im Gaming-Sektor. Das Unternehmen hält Beteiligungen an zahlreichen westlichen Entwicklerstudios, darunter Epic Games, Riot Games und Supercell. Mit Light of Motiram versuchte Tencent offenbar, ein Stück vom lukrativen Open-World-Action-Adventure-Kuchen abzubekommen – doch diesmal ging die Rechnung nicht auf.

Reaktionen der Gaming-Community

Im offiziellen Horizon-Subreddit auf Reddit feiern Fans das Ende von Light of Motiram. „Auf Nimmerwiedersehen!”, kommentierte ein Nutzer triumphierend. Ein anderer User namens Dycoth spekulierte: „Tencent hat gemerkt, dass sie keine Chance hatten, deshalb haben sie der Einigung zugestimmt. Vielleicht dürfen sie ihr Projekt im Rahmen eines neuen Horizon-Spiels überarbeiten.”

Diese Vermutung ist nicht ganz abwegig. Die offizielle Stellungnahme nach der Einigung lautete: „Sony Interactive Entertainment und Tencent freuen sich darauf, zukünftig zusammenzuarbeiten.” Diese diplomatische Formulierung könnte darauf hindeuten, dass beide Unternehmen trotz des Rechtsstreits an einer künftigen Kooperation interessiert sind – möglicherweise sogar im Horizon-Universum.

Die technische Qualität war beeindruckend

Unabhängig von den rechtlichen und ethischen Problemen muss man Aurora Studios zugutehalten, dass Light of Motiram technisch beeindruckend aussah. Die Grafik wirkte modern und detailreich, die Animationen flüssig und die Spielwelt lebendig. Das Studio bewies damit durchaus technisches Know-how – nur leider in Kombination mit fragwürdigen kreativen Entscheidungen.

Die Unreal Engine 5, die vermutlich für die Entwicklung verwendet wurde, ermöglichte fotorealistische Umgebungen und beeindruckende Lichteffekte. Hätte Aurora Studios diese technische Kompetenz in ein originelleres Konzept investiert, wäre das Ergebnis möglicherweise ein eigenständiger Hit geworden.

Rechtliche Präzedenzfälle im Gaming-Bereich

Der Fall Light of Motiram reiht sich ein in eine lange Liste von Rechtsstreitigkeiten in der Videospielindustrie. Ähnliche Fälle gab es in der Vergangenheit mehrfach:

  • PlayerUnknown’s Battlegrounds vs. Fortnite: PUBG Corp. verklagte Epic Games wegen angeblicher Kopie des Battle-Royale-Konzepts, zog die Klage aber später zurück
  • The Sims vs. Life By You: Paradox Interactive stellte sein Lebenssimulations-Spiel ein, nachdem Ähnlichkeiten zu EAs The Sims kritisiert wurden
  • Palworld vs. Pokémon: Nintendo und The Pokémon Company prüften rechtliche Schritte gegen das „Pokémon mit Waffen”-Spiel
  • Genshin Impact vs. Zelda: Trotz offensichtlicher Inspiration durch Breath of the Wild blieb eine Klage aus

Der Unterschied zu Light of Motiram: Die Ähnlichkeiten waren hier so eklatant, dass eine rechtliche Auseinandersetzung unvermeidbar wurde. Während Inspiration und Hommage in der Spieleindustrie üblich sind, überschritt Tencent offenbar eine rote Linie.

Wirtschaftliche Dimensionen des Rechtsstreits

Die finanziellen Auswirkungen dieses Falls sind beträchtlich. Tencent hatte bereits erhebliche Ressourcen in die Entwicklung von Light of Motiram investiert. Schätzungen zufolge befand sich das Projekt seit mindestens zwei Jahren in Entwicklung, was Kosten im zweistelligen Millionenbereich bedeuten dürfte.

Für Sony ging es hingegen um den Schutz einer ihrer wertvollsten Marken. Die Horizon-Serie hat sich seit dem Debüt von Zero Dawn im Jahr 2017 zu einem der wichtigsten PlayStation-Franchises entwickelt. Horizon Forbidden West verkaufte sich über 8 Millionen Mal, und mit der kürzlich veröffentlichten Lego-Version sowie einer geplanten Netflix-Serie expandiert die Marke weiter.

Horizon-Titel Erscheinungsjahr Verkaufszahlen Plattformen
Horizon Zero Dawn 2017 Über 20 Millionen PS4, PS5, PC
Horizon Forbidden West 2022 Über 8 Millionen PS4, PS5, PC
Horizon Call of the Mountain 2023 Nicht veröffentlicht PS VR2
Lego Horizon Adventures 2024 Laufend PS5, PC, Switch

Chinas Gaming-Industrie und Urheberrechtsfragen

Der Fall wirft auch ein Schlaglicht auf die komplizierte Beziehung zwischen der chinesischen Gaming-Industrie und westlichen Urheberrechtsstandards. China hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte bei der Durchsetzung von Intellectual Property-Rechten gemacht, doch Fälle wie Light of Motiram zeigen, dass noch Herausforderungen bestehen.

Tencent selbst ist normalerweise auf der anderen Seite solcher Auseinandersetzungen und schützt seine eigenen Marken wie League of Legends oder Honor of Kings aggressiv. Dass der Konzern in diesem Fall auf der Verliererseite steht, ist durchaus bemerkenswert und könnte ein Signal für strengere Selbstkontrolle in der Zukunft sein.

Was bedeutet das für Horizon-Fans?

Für Fans der Horizon-Serie ist das Ende von Light of Motiram eine gute Nachricht. Es zeigt, dass Sony bereit ist, seine Marke zu verteidigen und keine billigen Kopien zu tolerieren. Gleichzeitig dürfen sich Spieler auf weitere offizielle Horizon-Projekte freuen:

  • Ein drittes Hauptspiel der Serie ist in Entwicklung
  • Die Netflix-Serie befindet sich in Produktion
  • Lego Horizon Adventures erweitert die Zielgruppe
  • Weitere VR-Erfahrungen für PS VR2 sind möglich

Lehren für die Spieleindustrie

Der Fall Light of Motiram sendet eine klare Botschaft an die gesamte Gaming-Industrie: Inspiration ist willkommen, dreiste Kopien sind es nicht. Die Grenze zwischen Hommage und Plagiat mag manchmal verschwimmen, doch in diesem Fall war sie kristallklar überschritten.

Für kleinere Studios bedeutet dies, dass sie bei der Entwicklung neuer Spiele besonders darauf achten müssen, sich ausreichend von bestehenden Marken abzugrenzen. Gleichzeitig zeigt der Fall, dass selbst Giganten wie Tencent nicht immun gegen rechtliche Konsequenzen sind, wenn sie zu weit gehen.

Ausblick auf zukünftige Zusammenarbeit

Die versöhnliche Abschlusserklärung beider Parteien lässt Raum für Spekulationen. Könnte Tencent in Zukunft tatsächlich offiziell an einem Horizon-Projekt beteiligt werden? Der chinesische Markt ist für Sony von enormer Bedeutung, und Tencent verfügt über unvergleichliche Expertise in diesem Bereich.

Eine mögliche Kooperation könnte verschiedene Formen annehmen: von einem China-exklusiven Horizon-Spinoff über Mobile-Adaptionen bis hin zu Merchandise und Lizenzprodukten. Die technischen Fähigkeiten von Aurora Studios könnten dabei durchaus nützlich sein – diesmal aber unter offizieller Lizenz und mit kreativer Eigenständigkeit.

Ein notwendiges Ende

Das Ende von Light of Motiram war unvermeidlich und letztlich richtig. Die Spieleindustrie lebt von Kreativität und Innovation, nicht von dreisten Kopien erfolgreicher Konzepte. Während Tencent und Aurora Studios zweifellos über das technische Know-how verfügen, beeindruckende Spiele zu entwickeln, hätten sie ihre Talente besser in ein originelles Projekt investieren sollen.

Für Sony ist der Ausgang des Rechtsstreits ein wichtiger Präzedenzfall, der zeigt, dass das Unternehmen seine wertvollen Marken konsequent schützt. Horizon-Fans können beruhigt sein: Die Zukunft ihrer geliebten Serie ist gesichert, und billige Nachahmer werden nicht toleriert.

Bleibt abzuwarten, ob die angedeutete zukünftige Zusammenarbeit zwischen Sony und Tencent tatsächlich Früchte trägt. Sollte dies der Fall sein, könnte aus einem gescheiterten Klon-Versuch am Ende doch noch etwas Positives entstehen – diesmal aber auf legalem und kreativem Fundament.

 

Written by
Luca ist leidenschaftlicher Gamer, Tech-Enthusiast und seit 2023 fester Bestandteil des Redakteursteams bei gamer.org. Ob aktuelle AAA-Releases, Indie-Highlights oder tiefgründige Analysen zu Game-Design – Luca liefert fundierte Inhalte mit persönlicher Note. Besonders schlägt sein Herz für Action-Adventures, Soulslikes und alles rund um kompetitives Multiplayer-Gaming. Mit einem Blick für Details und einem Gespür für Trends bringt er komplexe Themen verständlich auf den Punkt. Neben Gaming interessiert er sich für Popkultur, Storytelling und die Zukunft der Spieleindustrie. Seine Reviews und Meinungen sind ehrlich, kritisch – und immer nah an der Community.

Have your say!

0 0

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Lost Password

Please enter your username or email address. You will receive a link to create a new password via email.