Seit der Veröffentlichung des ersten Just Cause im Jahr 2006 gilt die Reihe als Synonym für explosive Open-World-Action. Mit seinem ikonischen Helden Rico Rodriguez und einer Mischung aus Fallschirm, Greifhaken und Chaosmechanik setzte Avalanche Studios Maßstäbe im Genre. Besonders Just Cause 2 (2010) etablierte die Reihe als fanliebling unter Sandbox-Spielen. Doch spätestens mit Just Cause 4 (2018) begann der Glanz zu verblassen – technische Schwächen, repetitive Missionen und mangelnde Innovation ließen die Begeisterung abkühlen.
2022 kündigte Publisher Square Enix offiziell an, dass sich ein neues „Just Cause“-Projekt in Arbeit befinde. Fans hofften auf Just Cause 5 – ein Reboot, das die alte Faszination wiederbelebt. Doch laut aktuellen Insiderberichten wurde die Entwicklung bereits 2023 eingestellt. Seitdem herrscht Funkstille – bis sich nun einer zu Wort meldete, der es wissen muss: Christofer Sundberg, Gründer und langjähriger Kreativkopf von Avalanche Studios.
„Just Cause 5 wäre ein No-Go“ – Sundberg rechnet mit Avalanche ab
In einem Beitrag auf der Plattform X (ehemals Twitter) bestätigte Sundberg indirekt die Gerüchte über das Aus von Just Cause 5. Seine Worte klingen ernüchternd: „#JC5 wäre ein No-Go, da nur noch extrem wenige aus dem ursprünglichen Team dort sind.“ Damit deutet der schwedische Entwickler an, dass die kreative DNA der Serie im aktuellen Avalanche-Team kaum noch vorhanden ist.
Sundberg, der das Studio 2019 verließ und mittlerweile das neue Entwicklerhaus Liquid Swords leitet, kritisierte den Kurs seines ehemaligen Unternehmens scharf: „Avalanche wurde gegründet, um Grenzen zu durchbrechen – nicht, um sich ihnen anzupassen.“ Er fordert, das Studio müsse „das Feuer wiederfinden, Risiken eingehen, Leute provozieren und Spiele machen, die unmöglich erscheinen“.
Infobox: Die wichtigsten Meilensteine der Just-Cause-Reihe
| Jahr | Titel | Publisher | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| 2006 | Just Cause | Eidos Interactive | Debüt von Rico Rodriguez, Südamerika-Setting |
| 2010 | Just Cause 2 | Square Enix | Massive Sandbox-Welt & legendärer Greifhaken |
| 2015 | Just Cause 3 | Square Enix | Neue Engine, größere Zerstörung, Mittelmeer-Setting |
| 2018 | Just Cause 4 | Square Enix | Wettereffekte, schwache KI & gemischte Kritiken |
| 2022 | Just Cause Mobile | Square Enix | Projekt eingestellt, nie erschienen |
Selbstkritik und die Suche nach Verantwortung
Bemerkenswert: Sundberg nimmt sich selbst nicht aus der Verantwortung. In einem weiteren Beitrag erklärte er: „Die Probleme mit JC4 waren teilweise auf mich zurückzuführen (unfreiwillig), weil ich mich von der kreativen Führung zu sehr auf Management, Publisher-Meetings und interne Politik konzentriert habe.“ Damit gibt er zu, dass der kreative Funke der Reihe bereits in den letzten Jahren seiner Amtszeit zu erlöschen begann. Dennoch sieht er in Just Cause 4 „viel ungenutztes Potenzial“.
Diese Aussagen treffen Avalanche Studios in einer Phase, in der das Unternehmen ohnehin mit Imageproblemen kämpft. Die letzten größeren Veröffentlichungen – darunter Contraband (in Kooperation mit Microsoft, noch ohne Release-Termin) – blieben hinter Erwartungen zurück. Branchenbeobachter sehen in der Situation ein klassisches Beispiel für kreative Erschöpfung in langlebigen IPs, die sich zwischen Innovation und Markenpflege verlieren.
Die Rolle von Square Enix – und die wirtschaftliche Perspektive
Auch der Publisher Square Enix steht in der Kritik. Nach mehreren strategischen Neuausrichtungen hat sich das Unternehmen stärker auf mobile und serviceorientierte Produkte konzentriert. Projekte mit hohem Produktionsrisiko, aber unsicherem ROI (Return on Investment) wie Just Cause 5 gelten als zunehmend unattraktiv. Die letzte bekannte interne Bewertung des Projekts stufte das Risiko als „überdurchschnittlich“ ein – ein möglicher Grund für die Einstellung.
Dass die Marke dennoch wirtschaftliches Potenzial besitzt, zeigt der Plan, sie über andere Medienformate am Leben zu halten: Gemeinsam mit Universal Pictures arbeitet Square Enix seit mehreren Jahren an einer Filmadaption der Reihe.
Hollywood statt Havoc-Engine: Die Just-Cause-Verfilmung
Das Filmprojekt wird von einem namhaften Team getragen: Regie führt Ángel Manuel Soto (Blue Beetle), während das Drehbuch von Aaron Rabin (Tom Clancy’s Jack Ryan) stammt. Als Produzenten sind David Leitch (Deadpool 2) und Kelly McCormick (Bullet Train) beteiligt. Offizielle Details zur Handlung gibt es noch nicht, jedoch soll sich der Film laut Branchenmagazin Deadline stark am anarchischen Stil von Just Cause 2 orientieren. Ein Kinostart steht allerdings weiterhin aus.
Fans sehen in der geplanten Verfilmung eine letzte Chance, das Franchise im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu halten – zumindest, bis eine neue Generation von Avalanche-Entwicklern das kreative Erbe wieder aufgreifen könnte. Ob es dazu kommt, bleibt fraglich: Nach aktuellen Informationen sind keine neuen Projekte im „Just Cause“-Universum in aktiver Entwicklung.
Zwischen Nostalgie und Neuanfang
Die Worte von Christofer Sundberg zeichnen ein deutliches Bild: Das einst so energiegeladene Avalanche-Studio hat seine kreative Identität verloren – und mit ihr die Zukunft von Just Cause. Während Square Enix den Fokus auf profitablere Modelle legt und sich Avalanche neu sortiert, ruht die Hoffnung der Fans auf einem Reboot, der irgendwann an die Glanzzeiten von 2010 anknüpft. Bis dahin bleibt Rico Rodriguez im Ruhestand – vielleicht für immer.