inZOI wird zum Social-MMO: Canvastown bringt bis zu 50 Spieler zusammen

Krafton hat erstmals ausführlich gezeigt, wohin die Reise mit Canvastown geht. Der neue inZOI-Modus verbindet Lebenssimulation, Multiplayer, Rollenspiel und benutzerdefinierte Szenarien miteinander. Bis zu 50 Spieler können sich gleichzeitig in einem Channel aufhalten, miteinander interagieren und gemeinsam erstellte Geschichten erleben. Ein vollständiger Städtebaukasten ist Canvastown allerdings zumindest zum Start nicht.

Canvastown ist mehr als nur eine neue Stadt

Canvastown wurde ursprünglich als kompaktere Welt für inZOI angekündigt.

Inzwischen ist klar, dass Krafton mit dem Projekt deutlich größere Pläne verfolgt. Der Modus soll vor allem als gemeinsamer sozialer Raum funktionieren, in dem Spieler nicht einfach nur nebeneinander leben, sondern gezielt eigene Geschichten und Rollenspielszenarien erstellen können.

Game Director Hyungjun “Kjun” Kim beschreibt die Grundidee sinngemäß als ein Dorf für Creator, in dem Spieler gemeinsam leben und besondere Momente erschaffen.

Damit entfernt sich Canvastown teilweise vom klassischen Singleplayer-Konzept von inZOI und nähert sich eher Plattformen wie Second Life, Roblox oder großen Roleplay-Servern an.

Bis zu 50 Spieler teilen sich einen Channel

Ein besonders wichtiger Punkt ist der Multiplayer.

Krafton hat intern bereits Sessions mit rund 50 Spielern innerhalb desselben Channels getestet.

Genau bei dieser Zahl soll zunächst auch die Grenze liegen. Die Entwickler wollen verhindern, dass der soziale Bereich zu chaotisch wird.

Spieler können sich dort frei begegnen, miteinander sprechen und an gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen.

Zusätzlich experimentiert das Team mit Funktionen, durch die Freunde direkt in denselben Channel eingeladen werden können.

Damit bekommt inZOI erstmals einen deutlich stärker öffentlich ausgerichteten Multiplayer-Bereich.

Private Sessions und Solo-Spiel bleiben möglich

Wer mit fremden Spielern nichts anfangen kann, wird allerdings nicht gezwungen, Canvastown öffentlich zu nutzen.

Krafton plant private Sessions, die ausschließlich mit Freunden gespielt werden können.

Auch komplett allein soll sich Canvastown verwenden lassen.

Das ist wichtig, weil sich ein Teil der inZOI-Community ausdrücklich eine klassische Lebenssimulation ohne MMO-Strukturen wünscht.

Canvastown soll deshalb als optionaler Modus neben dem eigentlichen Spiel existieren und nicht die bisherige Singleplayer-Erfahrung ersetzen.

Eigene Geschichten stehen im Mittelpunkt

Der Kern von Canvastown sind sogenannte Szenarien.

Spieler beziehungsweise Creator können eigene Geschichten vorbereiten und anderen Nutzern anschließend ermöglichen, bestimmte Rollen darin zu übernehmen.

Das funktioniert ähnlich wie ein improvisiertes Rollenspiel.

NPC-Zois lassen sich bestimmten Rollen zuweisen und sollen sich anschließend entsprechend dieser Vorgaben verhalten.

Der Creator übernimmt damit teilweise die Position eines Regisseurs.

Er legt fest, welche Figuren vorkommen, welche Beziehungen bestehen und welche Ereignisse innerhalb des Szenarios stattfinden sollen.

Szenarien können richtige Endbedingungen besitzen

Die gezeigten Beispiele gehen über simples freies Rollenspiel hinaus.

Szenarien können konkrete Ziele und Endbedingungen besitzen.

Nach deren Erfüllung entscheidet der Spieler, ob die Geschichte beendet oder einfach weitergespielt werden soll.

Ein vorgestelltes Beispiel dreht sich um einen Geschäftsführer namens Joseph.

Er kehrt in seine Heimat zurück, um das Farmland seiner Großmutter zu übernehmen, und trifft dort seine frühere Jugendliebe wieder.

Nach rund 17 Stunden innerhalb des Szenarios können Spieler entscheiden, ob Joseph das Land verkauft und die Geschichte beendet oder weiter auf dem Land lebt.

Damit könnten innerhalb von Canvastown komplette kleine Life-Sim-Kampagnen entstehen.

NPCs sollen wie Schauspieler besetzt werden

Besonders interessant ist die Kontrolle über NPCs.

Creator sollen Zois mit bestimmten Rollen versehen können, damit sie innerhalb einer Geschichte definierte Aufgaben übernehmen.

Ein NPC könnte beispielsweise Familienmitglied, Partner, Arbeitgeber oder Gegenspieler sein.

Dadurch müssen nicht sämtliche Rollen von echten Spielern übernommen werden.

Das eröffnet die Möglichkeit, auch allein oder in kleinen Gruppen deutlich komplexere Geschichten aufzubauen.

Krafton möchte dadurch gezielt jene besonderen Situationen konservieren, die in Lebenssimulationen normalerweise zufällig entstehen.

Script-Mods sollen Canvastown enorm erweitern

Canvastown ist außerdem eng mit dem kommenden Modding-Ausbau von inZOI verbunden.

Krafton plant Script-Mods, mit denen Creator eigene Mechaniken entwickeln können.

Das Studio hat intern bereits damit experimentiert.

Als Beispiel wurde ein Autorennen gezeigt, das vollständig über Mods innerhalb von Canvastown umgesetzt wurde.

Kjun betont selbst, dass daraus natürlich kein vollwertiges Rennspiel wird.

Der eigentliche Punkt ist jedoch ein anderer: Modder könnten kleine Spiele und zusätzliche Systeme entwickeln, die innerhalb ihrer Szenarien verwendet werden.

Mod-Minigames könnten später ins Hauptspiel kommen

Interessanterweise sollen solche Experimente nicht zwingend auf Canvastown beschränkt bleiben.

Krafton möchte erfolgreiche Systeme langfristig auch in das normale inZOI übernehmen können.

Wenn Modder beispielsweise ein interessantes Minispiel, eine Interaktion oder eine neue Gameplay-Funktion erstellen, könnte diese später auch außerhalb von Canvastown nutzbar werden.

Dadurch könnte der Modus zu einer Art Testlabor für neue Spielmechaniken werden.

Gerade mit der geplanten Lua-Script-Unterstützung dürfte das Potenzial dafür erheblich wachsen.

MyHome wird Teil des Systems

Auch die bereits angekündigte MyHome-Funktion wird in Canvastown integriert.

Spieler können ein persönliches Haus besitzen, einrichten und mit ihrem Account speichern.

Andere Nutzer lassen sich anschließend in dieses Zuhause einladen.

Dadurch entsteht ein persönlicher Bereich innerhalb des größeren Multiplayer-Systems.

Für Rollenspielgruppen dürfte MyHome besonders interessant sein, da dort kleinere private Treffen stattfinden können, ohne ständig im öffentlichen Bereich unterwegs zu sein.

Kein kompletter Städtebaukasten zum Start

Bei einem Punkt versucht Krafton allerdings bewusst, Erwartungen zu korrigieren.

Canvastown wird zunächst kein vollständiges Create-a-World-System.

Spieler können also nicht einfach eine komplett leere Karte laden, eigene Straßen ziehen und von Grund auf eine vollständige Stadt erschaffen.

Genau diese Vorstellung hatte sich innerhalb der Community durch frühere Beschreibungen verbreitet.

Kjun stellte deshalb ausdrücklich klar, dass solche Funktionen momentan noch nicht verfügbar sind.

Mehr Weltbearbeitung soll später kommen

Komplett verworfen ist diese Idee allerdings nicht.

Das Team möchte künftig deutlich mehr Werkzeuge für die Gestaltung der Welt hinzufügen.

Dazu gehören unter anderem Möglichkeiten zur Terrain-Bearbeitung und allgemein umfangreichere Dekorationsfunktionen.

Wie weit diese Systeme letztlich gehen, ist noch offen.

Ein vollständiger Straßeneditor oder ein komplett freier Städtebau wurde bislang nicht versprochen.

Canvastown bleibt vorerst stärker auf soziale Interaktion und Szenarien ausgerichtet.

Das Projekt wird nur von einem kleinen Team entwickelt

Krafton betont außerdem, dass Canvastown aktuell als Nebenprojekt entsteht.

Ein kleineres separates Team arbeitet daran, während sich der Großteil des inZOI-Studios weiterhin um das Hauptspiel kümmert.

Damit reagiert das Unternehmen auf Befürchtungen innerhalb der Community, dass Multiplayer und Online-Funktionen Ressourcen von der eigentlichen Lebenssimulation abziehen könnten.

Kjun zufolge bleiben die Kernsysteme von inZOI weiterhin die wichtigste Priorität.

Dazu gehören unter anderem bessere NPC-Autonomie, Beziehungen, Familien, Berufe und Bauwerkzeuge.

Canvastown könnte langfristig deutlich größer werden

Die aktuellen Tests mit 50 Spielern sind offenbar nur ein Zwischenschritt.

Bereits in früheren Roadmaps hatte Krafton mit deutlich größeren Online-Umgebungen experimentiert.

Langfristig wurden sogar dedizierte Server mit Hunderten oder Tausenden gleichzeitigen Nutzern diskutiert.

Ob Canvastown tatsächlich irgendwann diese Größenordnung erreicht, ist derzeit allerdings nicht bestätigt.

Das Studio befindet sich bei vielen Multiplayer-Systemen weiterhin in einer Forschungs- und Testphase.

Die Community reagiert gespalten

Die neue Ausrichtung sorgt bereits für Diskussionen.

Ein Teil der Spieler findet die Kombination aus Life-Sim, Multiplayer und selbstgebauten Geschichten spannend.

Gerade Rollenspieler könnten damit eigene Serien, Dramen oder soziale Welten aufbauen.

Andere Fans hatten sich unter Canvastown dagegen eher einen vollständigen Welteditor vorgestellt und zeigen sich entsprechend enttäuscht.

Krafton versucht deshalb, die Erwartungen möglichst früh klarzustellen und beide Entwicklungsrichtungen voneinander zu trennen.

inZOI entwickelt sich langsam zur Plattform

Canvastown zeigt deutlich, dass Krafton langfristig mehr mit inZOI vorhat als nur eine Alternative zu The Sims.

Mit Multiplayer, persönlichen Häusern, eigenen Szenarien, NPC-Regie und Script-Mods entsteht zunehmend eine Plattform, auf der Nutzer selbst Inhalte erschaffen können.

Noch befindet sich das Projekt in einer frühen Phase und viele Funktionen können sich verändern.

Das Grundkonzept ist aber bereits klar: Canvastown soll ein Ort werden, an dem Spieler nicht nur ihre eigenen Zois leben lassen, sondern gemeinsam ganze Geschichten erschaffen.

Damit könnte inZOI langfristig eine ungewöhnliche Mischung aus klassischer Lebenssimulation, Social-MMO und Creator-Plattform werden.

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Als Journalistin und Gamerin der ersten Stunde hat Rebekah Preuß die Entwicklung der Gaming-Branche hautnah miterlebt. Mit tiefem Branchenwissen, scharfsinnigem analytischen Blick und absoluter Leidenschaft für Gaming-Kultur leitet und betreut sie die deutsche Sektion von gamer.org.

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