Vernichtende Kritik: Spieler zeigen Highguard die kalte Schulter
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Auf Steam erreicht Highguard aktuell nur 31 Prozent positive Bewertungen, was der Plattform-Klassifizierung „größtenteils negativ” entspricht. Im PlayStation Store sieht es kaum besser aus – mit durchschnittlich 3,1 von 5 Sternen bewegt sich das Spiel im unteren Mittelfeld. Besonders alarmierend: 37 Prozent der PlayStation-Spieler vergaben lediglich einen Stern, die schlechteste mögliche Wertung.
Diese Entwicklung erinnert unweigerlich an das Schicksal von Concord, Sonys gescheitertem Hero-Shooter, der nach katastrophalem Start bereits nach wenigen Wochen vom Netz genommen wurde. Doch im Gegensatz zu Sony zeigt sich Wildlight Entertainment kämpferisch und kündigt eine umfangreiche Roadmap sowie kontinuierliche Updates an.
Update 1.002: Erste Schritte zur Stabilisierung
Bereits einen Tag nach dem Launch steht das erste größere Update bereit. Konsolenspieler erhalten die Version 1.002.000, während PC-Spieler mit einem deutlich umfangreicheren Download konfrontiert werden. Mit rund 18 Gigabyte kommt der Patch einer kompletten Neuinstallation gleich – ein Umstand, der in der Community für zusätzlichen Unmut sorgt.
Der Fokus des Updates liegt klar auf der technischen Stabilität. Wildlight Entertainment adressiert verschiedene Absturzprobleme, die sowohl auf Konsolen als auch auf dem PC auftraten. Gameplay-Anpassungen oder Balance-Änderungen sind in diesem ersten Patch jedoch nicht enthalten – eine Entscheidung, die angesichts der fundamentalen Kritik am Spieldesign durchaus hinterfragt werden kann.
Die Entwickler versichern, dass sie die gemeldeten Fehler aktiv untersuchen und im Laufe der Woche weitere Patches folgen sollen. Konkrete Inhalte oder Zeitpläne wurden allerdings nicht kommuniziert, was bei vielen Spielern für Unsicherheit sorgt.
Die Kernprobleme: Mehr als nur technische Schwierigkeiten
Die Herausforderungen von Highguard gehen weit über technische Instabilitäten hinaus. Spieler kritisieren mehrere fundamentale Aspekte des Spieldesigns:
- Spieltempo und Struktur: Viele Nutzer bemängeln, dass die eigentlichen Feuergefechte – obwohl durchaus gelungen – viel zu selten stattfinden. Stattdessen dominieren Sammelaktivitäten und Wartezeiten das Spielgeschehen.
- Anti-Cheat-System: Die Implementierung eines Kernel-Level-Anti-Cheats stößt auf erheblichen Widerstand in der Community, da diese Technologie tief in das Betriebssystem eingreift.
- Fehlende 120Hz-Unterstützung: Für einen kompetitiven Shooter im Jahr 2026 ist das Fehlen eines 120Hz-Modus auf Konsolen ein gravierendes Versäumnis.
- Monetarisierung: Während das Spiel selbst kostenlos ist, können Spieler bereits jetzt Gold-Pakete zwischen 7,99 und 89,99 Euro erwerben – ein Umstand, der angesichts des unfertigen Zustands für Kritik sorgt.
Spielerzahlen: Rasanter Absturz nach vielversprechendem Start
Die Entwicklung der Spielerzahlen auf Steam zeichnet ein besorgniserregendes Bild. Zum Launch verzeichnete Highguard über 97.000 gleichzeitig aktive Spieler – ein durchaus respektabler Wert für einen neuen Free-to-Play-Titel. Doch bereits wenige Stunden später brach diese Zahl dramatisch ein. Aktuell bewegen sich die Peaks zwischen 11.000 und 16.000 Spielern.
Während diese Zahlen für viele Spiele noch immer solide wären, zeigt die Geschwindigkeit des Rückgangs, dass viele Spieler nach kurzer Zeit das Interesse verloren haben. In einem Genre, das von langfristiger Spielerbindung lebt, ist dies ein alarmierendes Signal.
Das Entwicklerteam: Erfahrung trifft auf Realität
Highguard ist das Debütprojekt von Wildlight Entertainment, einem Studio mit 61 Entwicklern. Viele Teammitglieder bringen Erfahrung aus erfolgreichen Projekten wie Titanfall und Apex Legends mit – Spiele, die für ihre dynamischen Shooter-Mechaniken und ausgefeiltes Gameplay bekannt sind.
Diese Expertise macht die aktuellen Probleme umso überraschender. Das Spielprinzip von Highguard setzt auf 3-gegen-3-Kämpfe, bei denen Teams mithilfe des sogenannten Schildbrechers gegnerische Basen angreifen müssen. Auf dem Papier klingt dieses Konzept durchaus interessant, doch die Umsetzung scheint die Erwartungen nicht zu erfüllen.
Die Präsentation bei den Game Awards 2025 sorgte zunächst für Aufsehen, doch der bizarre Auftritt und die anschließende Kontroverse um den „Internet-Hass” warfen bereits im Vorfeld Fragen auf. Die Entwickler verteidigten ihre Marketingstrategie, doch die Realität des Launches zeigt, dass Aufmerksamkeit allein nicht ausreicht.
Vergleich mit der Konkurrenz: Ein überfüllter Markt
Der Hero-Shooter-Markt ist 2026 härter umkämpft denn je. Etablierte Titel wie Overwatch 2, Valorant und Apex Legends dominieren die Szene mit ausgereiften Gameplay-Systemen, großen Spielerbasen und kontinuierlichen Content-Updates. Neue Einsteiger haben es schwer, sich zu behaupten.
Highguard tritt in direkte Konkurrenz zu diesen Giganten, bietet aber aktuell weder technisch noch inhaltlich überzeugende Alleinstellungsmerkmale. Das 3-gegen-3-Format unterscheidet sich zwar von den üblichen 5-gegen-5-Modi, doch die großen Maps und das langsame Spieltempo passen nicht zu diesem kompakten Teamformat.
Auch der Vergleich mit gescheiterten Projekten wie Concord oder dem aktuell kämpfenden Firebreak zeigt: Selbst mit erfahrenen Entwicklern und solider Finanzierung ist Erfolg in diesem Genre keineswegs garantiert.
Die Roadmap: Hoffnung oder leere Versprechen?
Wildlight Entertainment hat eine Roadmap angekündigt, ohne jedoch konkrete Details zu nennen. Diese Zurückhaltung ist verständlich – das Studio möchte keine Versprechen machen, die es möglicherweise nicht einhalten kann. Gleichzeitig benötigt die frustrierte Community klare Signale, wohin die Reise gehen soll.
Kritische Fragen bleiben offen:
- Werden fundamentale Gameplay-Mechaniken überarbeitet?
- Ist eine Anpassung der Map-Größen geplant?
- Kommt die 120Hz-Unterstützung für Konsolen?
- Wie wird das Anti-Cheat-System optimiert?
- Welche neuen Inhalte sind in Planung?
Die kommenden Wochen werden entscheidend sein. Wenn Wildlight Entertainment nicht schnell und überzeugend reagiert, droht Highguard das gleiche Schicksal wie Concord – ein schnelles Ende trotz großer Ambitionen.
Monetarisierung: Fragwürdiges Timing
Besonders kontrovers diskutiert wird die bereits implementierte Monetarisierung. Während das Spiel selbst kostenlos ist (im PlayStation Store wird unter Umständen eine symbolische Gebühr von 29 Cent fällig), können Spieler bereits jetzt erhebliche Summen für In-Game-Währung ausgeben.
Die Highguard-Gold-Pakete reichen von 7,99 Euro bis zu stolzen 89,99 Euro. Angesichts des unfertigen Zustands des Spiels und der massiven technischen Probleme wirkt diese aggressive Monetarisierung deplatziert. Viele Spieler fordern, dass das Studio zunächst ein funktionierendes Produkt liefern sollte, bevor es Geld für kosmetische Inhalte verlangt.
Community-Reaktionen: Zwischen Hoffnung und Resignation
In den Foren und auf Social Media zeigt sich ein gespaltenes Bild. Einige Spieler loben die grundlegenden Shooter-Mechaniken und sehen Potenzial, sofern die Entwickler die richtigen Entscheidungen treffen. Andere haben bereits aufgegeben und vergleichen Highguard mit anderen gescheiterten Live-Service-Projekten.
Besonders frustrierend für viele: Das Tutorial und die ersten Matches vermitteln durchaus einen positiven Eindruck. Erst im weiteren Spielverlauf offenbaren sich die strukturellen Probleme. Diese Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität verstärkt die Enttäuschung zusätzlich.
Ausblick: Kann Highguard noch gerettet werden?
Die Situation ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Andere Spiele haben bewiesen, dass ein schwacher Start nicht zwangsläufig das Ende bedeuten muss. No Man’s Sky, Final Fantasy XIV und Rainbow Six Siege sind prominente Beispiele für erfolgreiche Comebacks nach katastrophalen Launches.
Allerdings erfordert dies radikale Maßnahmen, transparente Kommunikation und vor allem Zeit – eine Ressource, die im schnelllebigen Live-Service-Markt knapp ist. Wildlight Entertainment muss beweisen, dass das Studio nicht nur technische Probleme beheben, sondern auch fundamentale Gameplay-Entscheidungen überdenken kann.
Die angekündigten Patches in dieser Woche werden erste Hinweise liefern, ob die Entwickler die Dringlichkeit der Situation erkannt haben. Technische Stabilität ist wichtig, aber ohne Anpassungen am Kern-Gameplay wird Highguard Schwierigkeiten haben, Spieler langfristig zu binden.
Plattformübergreifende Verfügbarkeit und Zukunftsperspektiven
Highguard ist seit dem 26. Januar 2026 kostenlos auf PC (Steam), PlayStation 5 und Xbox Series X/S verfügbar. Die plattformübergreifende Veröffentlichung ist grundsätzlich ein Vorteil, doch die technischen Probleme betreffen alle Systeme gleichermaßen.
Für die Zukunft des Spiels wird entscheidend sein, ob Wildlight Entertainment eine klare Vision entwickeln und kommunizieren kann. Der Hero-Shooter-Markt verzeiht keine Halbherzigkeiten. Spieler erwarten heute von Anfang an polierte Erlebnisse, regelmäßige Updates und faire Monetarisierung.
Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob Highguard zu den wenigen Titeln gehört, die ein erfolgreiches Comeback schaffen, oder ob das Spiel in die lange Liste gescheiterter Live-Service-Projekte eingereiht wird. Die Entwickler haben die Erfahrung und das Talent – jetzt müssen sie beweisen, dass sie auch die Entschlossenheit haben, ihr Spiel zu retten.