Dass Multiplayer-Spiele Jahre nach Release wieder einen Hype erleben, ist nichts Ungewöhnliches. Doch wenn ein klassisches Singleplayer- beziehungsweise Koop-Rollenspiel wie Divinity: Original Sin 2 fast neun Jahre nach Erscheinen auf Steam plötzlich durch die Decke geht, ist das selbst in der hart umkämpften RPG-Landschaft bemerkenswert. Genau das passiert derzeit mit dem Fantasy-Epos der Larian Studios – und die Gründe dafür sind ein perfektes Zusammenspiel aus Nostalgie, Content-Update und Zukunftsversprechen.
Spielerzahlen explodieren: Von 4.000 auf über 27.000 gleichzeitig
Laut den Daten von SteamDB pendelte sich Divinity: Original Sin 2 in den Monaten vor Dezember 2025 bei rund 3.000 bis 4.000 gleichzeitigen Spielerinnen und Spielern ein. Solide Zahlen für ein Rollenspiel von 2017, das seinen großen Hype eigentlich schon hinter sich hatte.
Seit dem 13. Dezember 2025 zeichnet sich jedoch ein ganz anderes Bild: Die Kurve zeigt steil nach oben, der Peak lag im Januar 2026 bei über 27.000 gleichzeitigen Steam-Usern, die zur selben Zeit in Rivellon unterwegs waren. Ein Wert, den der Titel seit rund fünf Jahren nicht mehr erreicht hatte.
Damit zeigt sich einmal mehr, wie stark Ankündigungen neuer Teile auf die Backlist eines Studios wirken können. Ein ähnliches Muster gab es bereits 2019, als Larian das Intro von Baldur’s Gate 3 veröffentlichte und damit auch Divinity: Original Sin 2 wieder in den Fokus rückte.
Der Auslöser: Neues Divinity und kostenloses Konsolen-Update
Den aktuellen Schub verdankt Divinity: Original Sin 2 zwei Faktoren:
- Ankündigung des neuen Divinity bei den Game Awards 2025: Larian kündigte mit Divinity das nächste große Rollenspiel an, das die Reihe fortführt und “auf allen Ebenen größer und besser” werden soll.
- Kostenloses Update für aktuelle Konsolengeneration: Zeitgleich erhielt Divinity: Original Sin 2 ein Next-Gen-Upgrade für PlayStation 5 und Xbox Series X|S, was die Sichtbarkeit des Titels erneut deutlich erhöhte.
Diese Kombination aus neuem Projekt und aufpoliertem Vorgänger ist aus Marketing-Sicht ein klassisches, aber hocheffektives Vorgehen. Spieler, die durch Baldur’s Gate 3 erstmals auf Larian aufmerksam wurden, entdecken nun den direkten Divinity-Vorgänger. Veteranen nutzen die Gelegenheit, um mit besserer Performance, verkürzten Ladezeiten und höherer Auflösung noch einmal einzutauchen.
Statement von Swen Vincke: “Unglaublich hohe Verkaufszahlen”
Swen Vincke, Chef der Larian Studios, zeigte sich auf Twitter (X) begeistert von der Entwicklung. Laut ihm sind die Verkaufszahlen für Baldur’s Gate 3 und Divinity: Original Sin 2 seit der Ankündigung von Divinity “unglaublich hoch”. Besonders der moderne RPG-Klassiker von 2017 habe das Studio überrascht:
Divinity: Original Sin 2 erlebte demnach den besten Monat seit Release. Konkrete Zahlen nannte Vincke zwar nicht, die Wortwahl lässt aber auf einen deutlichen Schub sowohl bei Neuverkäufen als auch bei Rückkehrern im Bestand schließen.
Augenzwinkernd merkte er an, dass er im Rückblick gerne “das Eichhörnchen rechtzeitig entfernt hätte” – eine Anspielung auf den DLC-Charakter Ser Lora.
Ser Lora: Wenn ein Eichhörnchen Kultstatus erreicht
Ser Lora, das Eichhörnchen mit Knochenmaske auf einer Skelettkatze, ist einer der schillerndsten Begleiter in Divinity: Original Sin 2. Ursprünglich als DLC eingeführt, entwickelte sich die Figur schnell zum Fanliebling. Seine schräge Hintergrundgeschichte rund um eine Eichelgottheit und seine ständigen, leicht exzentrischen Kommentare begleiten die Spieler durch die Kampagne.
Während die Community Ser Lora für seinen Humor und den Kontrast zur teils ernsten Fantasy-Handlung feiert, scheint Vincke selbst ambivalente Gefühle zu haben. Dass er ausgerechnet dieses Detail hervorhebt, zeigt, wie sehr sich bestimmte Figuren verselbständigen können und zur Identität eines Spiels beitragen.
Warum Divinity: Original Sin 2 auch 2026 noch überzeugt
Der plötzliche Erfolg ist kein Zufall, denn Divinity: Original Sin 2 gilt seit Jahren als eines der besten klassischen Rollenspiele der Moderne. Mehrere Faktoren sorgen dafür, dass der Titel auch 2026 nichts von seiner Faszination eingebüßt hat:
- Tiefes, taktisches Rundenkampfsystem: Mit Umweltinteraktionen, Kombinationsmöglichkeiten (Feuer, Gift, Wasser, Elektrizität) und hoher Build-Vielfalt.
- Reaktives Storytelling: Entscheidungen haben spürbare Konsequenzen, Quests lassen sich auf mehreren Wegen lösen.
- Koop-Fokus: Bis zu vier Spieler können gemeinsam die Kampagne erleben – inklusive getrennter Wege und eigener Ziele.
- Voll vertonte Dialoge: Alle Dialoge sind professionell gesprochen, was Immersion und Charaktertiefe erhöht.
- Modding-Szene: Umfangreiche Mods erweitern Inhalte, Systeme und Komfortfunktionen auf dem PC.
Hinzu kommt, dass Divinity: Original Sin 2 durch Baldur’s Gate 3 eine neue Generation von RPG-Fans erreicht hat. Viele Spieler, die BG3 lieben, suchen nach Titeln mit ähnlicher Qualität und stoßen dabei zwangsläufig auf Larians vorheriges Großprojekt.
Gratis-Update auf Konsole: Mehr als nur Kosmetik
Für die aktuelle Konsolengeneration veröffentlichte Larian ein kostenloses Update, das mehr als nur technische Kleinigkeiten adressiert. Je nach Plattform profitieren Spieler unter anderem von:
- Verbesserter Performance: Stabilere Bildraten, weniger Einbrüche in großen Kämpfen.
- Höherer Auflösung: Schärfere Darstellung von Charaktermodellen und Umgebungen.
- Verkürzten Ladezeiten: Besonders auf PS5 und Xbox Series X|S deutlich bemerkbar.
- Optimierter Benutzeroberfläche: Bessere Lesbarkeit auf 4K-TVs, feinere Schrift- und Menüanpassungen.
Diese Verbesserungen machen das Spiel für Konsolenspieler attraktiver und verkleinern den Abstand zur PC-Version. Gerade neue Spieler, die über die bald erscheinende Fortsetzung Divinity in die Reihe einsteigen, erhalten so eine technisch zeitgemäße Erfahrung.
Einordnung im Genre: Klassisches CRPG mit moderner Zugänglichkeit
Divinity: Original Sin 2 wird häufig in einem Atemzug mit Genre-Größen wie Baldur’s Gate 2, Planescape: Torment oder Pillars of Eternity genannt. Es gelingt dem Titel, klassische Tugenden des CRPG-Genres (isometrische Perspektive, rundenbasierte Kämpfe, viele Texte) mit moderner Zugänglichkeit zu verbinden:
- Koop-Modus: Anders als viele klassische RPGs lässt sich die komplette Kampagne im Koop erleben.
- Gamepad-Optimierung: Durchdachtes Controller-Interface macht das Spielen auf Konsole angenehm.
- Flexibles Schwierigkeitsgrad-System: Von Story-Modus bis Taktiker-Schwierigkeitsgrad für Veteranen.
- Origin-Charaktere: Vorgefertigte Helden mit eigener Hintergrundgeschichte, die sich stark in Dialogen niederschlägt.
Gerade diese Mischung aus Tiefe und Zugänglichkeit erklärt, warum Divinity: Original Sin 2 auch Jahre nach Release neue Zielgruppen erschließt.
Synergie mit Baldur’s Gate 3: Larian als Qualitätsmarke
Der Erfolg von Baldur’s Gate 3 hat Larian Studios endgültig als Qualitätsmarke im Rollenspielsegment etabliert. Viele Spieler gehen inzwischen den umgekehrten Weg: Wer BG3 durchgespielt hat, sucht gezielt nach weiteren Titeln desselben Studios.
Aus Marketingsicht entsteht damit ein starker Backkatalog-Effekt:
- Neue Spieler entdecken ältere Titel erstmals.
- Ehemalige Spieler kehren zurück, um Inhalte nachzuholen.
- Let’s Plays und Streams sorgen für anhaltende Sichtbarkeit.
- Sale-Aktionen (z.B. Steam-Rabatte) senken die Einstiegshürde weiter.
Divinity: Original Sin 2 profitiert massiv von diesem Effekt und dient gleichzeitig als “Einstiegsdroge” für das kommende Divinity-Sequel.
Wann lohnt sich der Einstieg 2026 noch?
Für Spieler, die überlegen, ob sich Divinity: Original Sin 2 im Jahr 2026 noch lohnt, lässt sich die Frage klar beantworten: Ja, wenn ihr auf taktische RPGs, starke Geschichten und Koop-Erlebnisse steht.
Besonders interessant ist der Einstieg für:
- BG3-Fans: Wer die Entscheidungsfreiheit und das Writing von Baldur’s Gate 3 liebt, findet hier den direkten Vorgänger im Geiste.
- Koop-Spielergruppen: Vierer-Party im Couch- oder Online-Koop ist nach wie vor ein Alleinstellungsmerkmal.
- Strategie-Fans: Das Rundenkampfsystem bietet genug Tiefe für Taktiker.
- Story-Liebhaber: Die Welt Rivellon ist reich an Lore, Fraktionen und moralischen Grauzonen.
Was bedeutet der Hype für das neue Divinity?
Der erneute Erfolg von Divinity: Original Sin 2 sendet ein klares Signal an Larian: Die Fanbasis ist hungrig nach mehr klassischem, tiefem Rollenspiel. Für das kommende Divinity bedeutet das zweierlei:
- Hohe Erwartungshaltung in Bezug auf Story, Entscheidungsfreiheit und Kampfsystem.
- Ein gewaltiger Pool an potenziellen Käufern, die über DOS2 und BG3 bereits im Ökosystem sind.
Wenn Larian die eigenen Versprechen einlöst und “alles größer und besser” macht, könnte Divinity zum nächsten Meilenstein im CRPG-Genre werden. Divinity: Original Sin 2 zeigt eindrucksvoll, wie langlebig ein hervorragend gemachtes Rollenspiel sein kann – selbst neun Jahre nach Release.