Concord: Wie Sonys 400-Millionen-Dollar-Shooter zum schnellsten Flop der Gaming-Geschichte wurde

Was als ambitioniertes Vorhaben begann, endete als historisches Desaster: Sonys Helden-Shooter Concord, entwickelt von Firewalk Studios, wurde nur zwei Wochen nach seinem Release im August 2024 wieder vom Markt genommen. Das Spiel, in das Sony Berichten zufolge bis zu 400 Millionen US-Dollar investiert hatte, erreichte gerade einmal 697 gleichzeitige Spieler auf Steam – ein Wert, der für einen AAA-Multiplayer-Titel erschreckend niedrig ist. Dieser Fall wirft ein Schlaglicht auf die Risiken des aktuellen Live-Service-Gaming-Trends und die Herausforderungen, denen selbst etablierte Publisher gegenüberstehen.

Das Ausmaß des Scheiterns in Zahlen

Die Dimension des Concord-Debakels lässt sich am besten anhand harter Fakten verdeutlichen. Der Shooter erschien am 23. August 2024 für PlayStation 5 und PC, doch bereits am 6. September wurden die Server abgeschaltet – nach nur 12 Tagen Laufzeit. Analysten schätzen, dass das Spiel in der ersten Woche lediglich etwa 25.000 Einheiten verkaufte – eine Zahl, die angesichts des Entwicklungsbudgets katastrophal erscheint.

Die Spielerzahlen auf Steam verdeutlichen das Ausmaß des Problems: Der Allzeithoch lag bei 697 gleichzeitigen Spielern. Zum Vergleich: Konkurrenten wie Apex Legends verzeichneten zu Hochzeiten über 624.000 gleichzeitige Spieler. Selbst Wochen nach der Server-Abschaltung starteten noch vereinzelte Nutzer das Spiel, obwohl es nicht mehr spielbar war – ein Zeichen der Faszination, die dieser Flop auslöste.

Concord in Zahlen

  • Entwicklungszeit: 8 Jahre (seit 2016)
  • Veröffentlichung: 23. August 2024
  • Server-Abschaltung: 6. September 2024
  • Laufzeit: 12 Tage
  • Steam-Spielerrekord: 697 gleichzeitige Spieler
  • Geschätzte Verkäufe (erste Woche): ca. 25.000 Einheiten
  • Preis: 39,99 Euro (kein Free-to-Play)
  • Metacritic-Score: 62/100 (User-Score: 1.8/10)
  • Steam-Bewertungen: 68% positiv

Die Ursachen: Warum Concord scheiterte

Mehrere Faktoren führten zum Zusammenbruch des Projekts. Zentral war die Entscheidung, Concord als kostenpflichtigen Titel zu veröffentlichen, während die Konkurrenz – darunter Overwatch 2, Apex Legends und Valorant – den Free-to-Play-Ansatz verfolgt. In einem bereits gesättigten Markt für Helden-Shooter erwies sich dies als strategischer Fehler.

Auch das Charakterdesign und die visuelle Ausrichtung stießen auf wenig Gegenliebe. Die Figuren wirkten für viele Spieler uninspiriert und austauschbar, der Art-Style erinnerte Kritiker an eine Mischung aus Guardians of the Galaxy und Power Rangers. Die Charaktere wurden als „vergessenswert” beschrieben – ein vernichtendes Urteil für ein Genre, das auf ikonische Helden setzt.

Ein weiteres Problem war das Fehlen innovativer Gameplay-Elemente. Concord bot solide, aber letztlich generische Shooter-Mechaniken ohne Alleinstellungsmerkmale. Die Maps galten als austauschbar, die Waffen fühlten sich nicht einzigartig an. In einem Markt, in dem etablierte Titel jahrelang gepflegte Communities besitzen, reichte das nicht aus, um Spieler abzuwerben.

Die menschlichen Kosten: Studio-Schließung und Entlassungen

Die Konsequenzen des Flops trafen nicht nur Sonys Bilanz, sondern vor allem die Mitarbeiter von Firewalk Studios. Am 29. Oktober 2024 gab Sony die Schließung des Entwicklers bekannt – rund 150 bis 170 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Das Studio, 2018 von Bungie- und Activision-Veteranen gegründet, hatte Concord als erstes und letztes Projekt verfolgt.

In einer internen E-Mail an die Belegschaft räumte Sony-CEO Hermen Hulst ein, dass man die Ziele mit dem Titel nicht erreicht habe. Gleichzeitig betonte er, dass man aus dem Debakel lernen und die Live-Service-Fähigkeiten weiter ausbauen wolle – eine Aussage, die angesichts der Schließung des Studios und des eingestellten Spiels ironisch wirkt.

Auch Neon Koi, ein weiteres Sony-Studio mit Sitz in Berlin und Helsinki, wurde geschlossen. Das Team hatte an einem mobilen Live-Service-Action-Titel gearbeitet, der nun ebenfalls eingestampft wurde. Die Entlassungswelle zeigt, wie riskant die aktuelle Strategie der großen Publisher ist.

Die Kostenfrage: 200 oder 400 Millionen Dollar?

Die genauen Entwicklungskosten von Concord sind bis heute umstritten. Konservativere Schätzungen gehen von rund 200 Millionen Dollar aus, während Insider-Berichte sogar von bis zu 400 Millionen Dollar sprechen. Diese Summe würde Concord zu einem der teuersten Spiele aller Zeiten machen – teurer als GTA 5, Cyberpunk 2077 oder Sonys eigene Hits wie The Last of Us Part II und Spider-Man 2.

Kritiker bezweifeln die astronomischen Zahlen. Sie argumentieren, dass selbst mit Outsourcing und hochbezahlten Entwicklern die Mathematik nicht aufgeht. Firewalk begann 2018 mit weniger als einem Dutzend Mitarbeitern, das Team wuchs erst in den folgenden Jahren an. Dennoch bleibt unbestritten, dass Sony eine immense Summe in ein Projekt investierte, das nach wenigen Tagen zum Stillstand kam.

Vergleich: Die teuersten Spiele-Flops der Geschichte
Spiel Entwicklungskosten Laufzeit bis Einstellung Jahr
Concord 200–400 Mio. $ 12 Tage 2024
The Culling 2 ca. 5 Mio. $ 8 Tage 2018
Marvel’s Avengers ca. 170 Mio. $ 3 Jahre 2020–2023
Anthem ca. 100 Mio. $ 2 Jahre 2019–2021
LawBreakers ca. 30 Mio. $ 1 Jahr 2017–2018

Lessons Learned: Was bedeutet Concord für die Branche?

Das Concord-Desaster ist mehr als nur ein missglücktes Spiel – es ist ein Warnsignal für die gesamte Gaming-Industrie. Der Fall zeigt, dass selbst milliardenschwere Konzerne wie Sony die Dynamik des Live-Service-Marktes unterschätzen können. Die Strategie, 60 Prozent aller Studio-Investitionen in Online-Spiele zu stecken, wie Sony es für das Geschäftsjahr 2025 angekündigt hatte, erweist sich als hochriskant.

Für Spieler ist der Fall eine Erinnerung daran, wie fragil das Konzept des Live-Service-Gamings ist. Ein Spiel, das auf Server angewiesen ist, kann jederzeit verschwinden – zusammen mit dem Kaufpreis, den Spieler investiert haben. Die Tatsache, dass physische Concord-Discs nach der Abschaltung zu wertlosem Elektroschrott wurden, verdeutlicht dieses Problem eindrücklich.

Interessanterweise wurde Concord im September 2025 Teil der Ausstellung „Museum of Failure” in Schweden – eine ungewollte Ehre, die das Projekt in die Geschichte der größten Fehlschläge der Menschheit eintrug.

Für Spieler: Was lässt sich aus dem Concord-Debakel lernen?

  • Vorsicht bei Live-Service-Titeln: Serverabhängige Spiele können jederzeit offline genommen werden
  • Free-to-Play bevorzugen: Bei kostenlosen Spielen ist das finanzielle Risiko geringer
  • Auf etablierte Communities achten: Neue Multiplayer-Titel haben es in einem gesättigten Markt schwer
  • Reviews beachten: Die Metacritic-Bewertungen von Concord waren bereits vor Release durchwachsen

Geht Sony dennoch den Live-Service-Weg?

Trotz des Concord-Debakels scheint Sony an seiner Live-Service-Strategie festzuhalten. Projekte wie Marathon von Bungie werden weiterentwickelt, und Hermen Hulst betonte in seiner Stellungnahme, dass man aus den Fehlern lernen wolle. Doch die Schließung von Firewalk und Neon Koi sowie die Einstellung aller Concord-Nachfolgepläne zeigen auch, dass der Konzern nicht vor harten Schnitten zurückschreckt.

Die Frage bleibt, ob der Markt für Helden-Shooter überhaupt noch Platz für neue Titel bietet. Mit Overwatch 2, Valorant, Apex Legends und Paladins dominieren etablierte Größen das Segment. Für neue Konkurrenten – selbst mit dem Rückenwind eines Publishers wie Sony – scheint die Schwelle zum Erfolg unerreichbar hoch.

Concord wird als Mahnmal in die Gaming-Geschichte eingehen: als Beispiel dafür, wie ambitionierte Pläne, toxische Unternehmenskulturen und eine Fehleinschätzung des Marktes zu einem der schnellsten und teuersten Flops der Branche führen können.

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Luca ist leidenschaftlicher Gamer, Tech-Enthusiast und seit 2023 fester Bestandteil des Redakteursteams bei gamer.org. Ob aktuelle AAA-Releases, Indie-Highlights oder tiefgründige Analysen zu Game-Design – Luca liefert fundierte Inhalte mit persönlicher Note. Besonders schlägt sein Herz für Action-Adventures, Soulslikes und alles rund um kompetitives Multiplayer-Gaming. Mit einem Blick für Details und einem Gespür für Trends bringt er komplexe Themen verständlich auf den Punkt. Neben Gaming interessiert er sich für Popkultur, Storytelling und die Zukunft der Spieleindustrie. Seine Reviews und Meinungen sind ehrlich, kritisch – und immer nah an der Community.

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