Assassin’s Creed Netflix-Serie: Emmy-Gewinner Johan Renck übernimmt die Regie

Fast fünf Jahre nach der ersten Ankündigung scheint die Assassin’s Creed-Serie von Netflix und Ubisoft endlich aus der berüchtigten Entwicklungshölle zu entkommen. Nachdem Ende November bereits der erste Hauptdarsteller verkündet wurde, folgt nun die nächste wichtige Personalie: Mit Johan Renck übernimmt ein Emmy-prämierter Regisseur das Ruder der ambitionierten Videospiel-Adaption.

Johan Renck: Der Mann hinter “Chernobyl”

Wie das Branchenmagazin Variety exklusiv berichtet, konnte sich Netflix die Dienste eines der profiliertesten Regisseure der letzten Jahre sichern. Johan Renck, der schwedische Filmemacher, der mit der HBO-Miniserie “Chernobyl” weltweite Anerkennung erlangte, wird die Live-Action-Umsetzung des Assassinen-Abenteuers inszenieren. Für “Chernobyl” erhielt Renck 2019 den Emmy Award für herausragende Regie in einer Limited Series – eine der prestigeträchtigsten Auszeichnungen der Fernsehbranche.

Die fünfteilige Miniserie über die Nuklearkatastrophe von 1986 gilt als Meisterwerk des modernen Fernsehens. Renck schuf eine beklemmende, historisch dichte Atmosphäre, die Kritiker und Publikum gleichermaßen begeisterte. Seine Fähigkeit, komplexe historische Ereignisse visuell beeindruckend und emotional packend zu inszenieren, macht ihn zur Idealbesetzung für das Assassin’s Creed-Projekt, das ebenfalls in verschiedenen historischen Epochen spielt.

Eine beeindruckende Karriere in der Serienlandschaft

Johan Rencks Erfolgsgeschichte begann jedoch nicht erst mit “Chernobyl”. Der Regisseur prägte bereits einige der erfolgreichsten und einflussreichsten Serien der letzten zwei Jahrzehnte maßgeblich mit. Seine Filmografie liest sich wie ein Who’s Who der modernen Serienlandschaft:

Breaking Bad (2008-2013)

Renck führte Regie bei drei Episoden der kultigen AMC-Serie, darunter die vierte Staffel-Episode “Hermanos”, die als eine der besten Folgen der gesamten Serie gilt. Seine Arbeit an Breaking Bad demonstrierte bereits seine Fähigkeit, Spannung aufzubauen und moralisch komplexe Charaktere visuell zu inszenieren.

The Walking Dead (2010)

In der ersten Staffel der Zombie-Apokalypse-Serie trug Renck dazu bei, den visuellen Stil zu etablieren, der die Show zu einem weltweiten Phänomen machte. Seine Arbeit half, die düstere, hoffnungslose Atmosphäre zu kreieren, die The Walking Dead auszeichnet.

Vikings (2013-2020)

Besonders prägend war Rencks Einfluss auf “Vikings”. Er inszenierte die ersten drei Episoden der Serie und etablierte damit den charakteristischen Look und die Erzählweise, die die Show über sechs Staffeln hinweg beibehielt. Seine Erfahrung mit historischen Settings und epischen Schlachtszenen dürfte sich als besonders wertvoll für Assassin’s Creed erweisen.

Weitere Projekte

Zu Rencks Portfolio gehören außerdem Arbeiten an Serien wie “Halt and Catch Fire”, “Bloodline” und “The Last Panthers”. Jedes dieser Projekte zeigt seine Vielseitigkeit und sein Gespür für unterschiedliche Genres und Erzählstile.

Vom Restaurant-Traum zurück zur Kamera

Interessanterweise stand Rencks Verpflichtung für Assassin’s Creed keineswegs von Anfang an fest. Nach dem überwältigenden Erfolg von “Chernobyl” und seinem letzten Projekt – dem Science-Fiction-Film “Spaceman” mit Adam Sandler, der 2024 auf Netflix erschien – spielte der Regisseur ernsthaft mit dem Gedanken, der Filmbranche den Rücken zu kehren.

In Interviews erwähnte Renck, dass er darüber nachdachte, ein Restaurant in Brooklyn zu eröffnen und sich einer völlig neuen Herausforderung zu stellen. Das ambitionierte Skript zur Assassin’s Creed-Serie scheint ihn jedoch umgestimmt zu haben. Die Möglichkeit, eine der bekanntesten Videospielmarken der Welt für das Fernsehen zu adaptieren, erwies sich als zu verlockend, um sie auszuschlagen.

Die Handlung: Tempelritter gegen Assassinen

Konkrete Details zur Handlung der Netflix-Serie werden von den Produzenten noch unter Verschluss gehalten. Die offizielle Logline verspricht jedoch, dem Kern der Spielereihe treu zu bleiben: Im Zentrum steht der jahrhundertealte geheime Krieg zwischen zwei Fraktionen mit fundamental unterschiedlichen Weltanschauungen.

Auf der einen Seite stehen die Tempelritter, die glauben, dass die Menschheit durch Kontrolle und Ordnung geformt werden muss. Sie streben nach absoluter Macht über die Gesellschaft, um – aus ihrer Sicht – Frieden und Stabilität zu gewährleisten. Auf der anderen Seite kämpfen die Assassinen für den freien Willen und die Selbstbestimmung der Menschen. Sie sehen in den Plänen der Tempelritter eine Bedrohung für die Freiheit der Menschheit.

Setting: Das antike Rom

Insider-Berichten zufolge könnte die Serie im antiken Rom spielen – ein Setting, das in den Hauptspielen der Reihe bisher nur am Rande vorkam. Während Assassin’s Creed Brotherhood Teile des Renaissance-Roms zeigte und Assassin’s Creed Origins das ptolemäische Ägypten zur Zeit der römischen Expansion behandelte, wurde das klassische Rom der Kaiserzeit nie als Hauptschauplatz genutzt.

Diese Wahl würde der Serie ermöglichen, eine der faszinierendsten Epochen der Menschheitsgeschichte zu erkunden. Das antike Rom bietet eine perfekte Kulisse für die Intrigen, politischen Machenschaften und spektakulären Schauplätze, die für Assassin’s Creed charakteristisch sind. Berichten zufolge könnten historische Persönlichkeiten wie Kaiser Nero und der Philosoph Seneca zentrale Rollen in der Handlung spielen.

Der Cast: Aufstrebende Talente vor der Kamera

Netflix setzt bei der Besetzung auf eine Mischung aus aufstrebenden Talenten und erfahrenen Schauspielern. Die Hauptrollen werden von zwei vielversprechenden Darstellern übernommen:

Toby Wallace

Der australische Schauspieler Toby Wallace, bekannt aus der HBO-Serie “Euphoria”, übernimmt eine der Hauptrollen. Wallace hat sich in den letzten Jahren als vielseitiger Darsteller etabliert und wurde für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet. Seine Fähigkeit, komplexe, innerlich zerrissene Charaktere darzustellen, macht ihn zur idealen Wahl für einen Assassinen, der zwischen verschiedenen Loyalitäten hin- und hergerissen ist.

Lola Petticrew

An Wallaces Seite steht Lola Petticrew, die durch ihre Rolle in der gefeierten Serie “Say Nothing” internationale Aufmerksamkeit erlangte. Die nordirische Schauspielerin bringt sowohl dramatisches Talent als auch physische Präsenz mit – beides essenzielle Eigenschaften für eine Rolle in einer actionlastigen Serie wie Assassin’s Creed.

Weitere Besetzung

Als feste “Series Regulars” wurden außerdem Zachary Hart (“Slow Horses”) und Laura Marcus (“Death by Lightning”) verpflichtet. Diese Schauspieler werden in wiederkehrenden Rollen zu sehen sein und die Hauptcharaktere durch die Handlung begleiten.

Das kreative Team hinter den Kulissen

Neben Johan Renck als Regisseur konnte Netflix ein erfahrenes Team von Showrunnern und Produzenten versammeln, die bereits an einigen der erfolgreichsten Serien der letzten Jahre gearbeitet haben.

Roberto Patino

Als einer der Showrunner fungiert Roberto Patino, der zuvor als Writer und Producer an der Science-Fiction-Serie “Westworld” beteiligt war. Seine Erfahrung mit komplexen, zeitlich verschachtelten Erzählstrukturen könnte sich als besonders wertvoll erweisen, da Assassin’s Creed traditionell zwischen verschiedenen Zeitebenen springt.

David Wiener

Co-Showrunner David Wiener bringt Erfahrung aus der Arbeit an der “Halo”-Serie mit. Diese Videospiel-Adaption für Paramount+ zeigte sowohl die Chancen als auch die Herausforderungen bei der Umsetzung beliebter Gaming-Franchises für das Fernsehen. Wieners Erkenntnisse aus diesem Projekt dürften für Assassin’s Creed von unschätzbarem Wert sein.

Produktion und Drehstart

Gerüchten zufolge sollen die Dreharbeiten zur Assassin’s Creed-Serie im kommenden Jahr in Italien beginnen. Die Wahl Italiens als Drehort ergibt Sinn, wenn die Serie tatsächlich im antiken Rom spielt. Das Land bietet nicht nur authentische historische Schauplätze, sondern auch eine etablierte Infrastruktur für Großproduktionen.

Italien hat in den letzten Jahren zahlreiche internationale Produktionen angezogen, darunter Serien wie “The White Lotus” und Filme wie “House of Gucci”. Die italienische Regierung bietet zudem attraktive Steueranreize für ausländische Produktionen, was die Kosten für eine aufwendige Serie wie Assassin’s Creed senken könnte.

Die Herausforderung der Videospiel-Adaption

Videospiel-Adaptionen haben eine gemischte Erfolgsgeschichte im Fernsehen und Kino. Während Serien wie “The Last of Us” und “Arcane” kritisch und kommerziell erfolgreich waren, scheiterten andere Projekte daran, die Essenz ihrer Vorlagen einzufangen. Assassin’s Creed steht vor besonderen Herausforderungen:

Die Animus-Mechanik

In den Spielen erleben Spieler die historischen Ereignisse durch den “Animus” – eine Maschine, die es ermöglicht, genetische Erinnerungen zu durchleben. Diese Rahmenhandlung in der Gegenwart war in den Spielen oft umstritten. Die Serie muss entscheiden, ob und wie sie dieses Element integriert.

Action und Parkour

Die Spiele sind bekannt für spektakuläre Parkour-Sequenzen und Kampfszenen. Diese visuell überzeugend für das Fernsehen umzusetzen, erfordert erhebliche Ressourcen und choreografisches Geschick. Johan Rencks Erfahrung mit visuell anspruchsvollen Produktionen dürfte hier von Vorteil sein.

Historische Authentizität

Assassin’s Creed ist bekannt für seine detaillierte Darstellung historischer Epochen. Die Serie muss diesen Standard erfüllen, um die Erwartungen der Fans zu erfüllen, ohne dabei die Zugänglichkeit für ein breiteres Publikum zu verlieren.

Ausblick: Wann kommt die Serie?

Ein konkreter Starttermin für die Assassin’s Creed-Serie auf Netflix steht noch nicht fest. Wenn die Dreharbeiten wie geplant 2026 beginnen, ist mit einer Veröffentlichung frühestens Ende 2026 oder Anfang 2027 zu rechnen. Post-Produktion, visuelle Effekte und Musikkomposition für eine Serie dieser Größenordnung benötigen erhebliche Zeit.

Die lange Entwicklungszeit könnte sich jedoch als Vorteil erweisen. Netflix und Ubisoft haben offensichtlich die Zeit genutzt, um das bestmögliche kreative Team zusammenzustellen. Mit Johan Renck an der Spitze, erfahrenen Showrunnern und einem vielversprechenden Cast stehen die Chancen gut, dass Assassin’s Creed zu einer der ambitioniertesten und erfolgreichsten Videospiel-Adaptionen werden könnte.

Die Bedeutung für das Franchise

Für Ubisoft und das Assassin’s Creed-Franchise steht viel auf dem Spiel. Nach dem kommerziellen Misserfolg des Kinofilms von 2016 mit Michael Fassbender ist dies eine zweite Chance, die Marke im Bereich Film und Fernsehen zu etablieren. Eine erfolgreiche Netflix-Serie könnte nicht nur neue Fans für die Spiele gewinnen, sondern auch die Tür für weitere Adaptionen öffnen – sei es in Form von Spin-off-Serien, Animationsfilmen oder anderen Medien.

Die Gaming-Industrie beobachtet das Projekt mit großem Interesse. Der Erfolg oder Misserfolg von Assassin’s Creed auf Netflix könnte richtungsweisend dafür sein, wie zukünftige Videospiel-Adaptionen angegangen werden.

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Luca ist leidenschaftlicher Gamer, Tech-Enthusiast und seit 2023 fester Bestandteil des Redakteursteams bei gamer.org. Ob aktuelle AAA-Releases, Indie-Highlights oder tiefgründige Analysen zu Game-Design – Luca liefert fundierte Inhalte mit persönlicher Note. Besonders schlägt sein Herz für Action-Adventures, Soulslikes und alles rund um kompetitives Multiplayer-Gaming. Mit einem Blick für Details und einem Gespür für Trends bringt er komplexe Themen verständlich auf den Punkt. Neben Gaming interessiert er sich für Popkultur, Storytelling und die Zukunft der Spieleindustrie. Seine Reviews und Meinungen sind ehrlich, kritisch – und immer nah an der Community.

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