Arc Raiders gehört zu den erfolgreichsten Shooter-Launches des Jahres 2026 – mit über 14 Millionen verkauften Einheiten hat Embark Studios eindrucksvoll bewiesen, dass ein AAA-Titel auch mit einem Bruchteil des üblichen Budgets gelingen kann. Doch während das Spiel weiter wächst, erschüttert ein Personalskandal das Studio: Mitgründer und Chief Creative Officer Rob Runesson verlässt Embark nach Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens. Was steckt hinter dem Fall, wer ist Runesson – und wie geht es mit Arc Raiders weiter?
Embark Studios und Arc Raiders: Erfolg mit Schatten
Die Embark Studios aus Stockholm gehören zu den spannendsten Entwicklerstudios der jüngeren Spielegeschichte. Gegründet 2018 von ehemaligen DICE-Veteranen – darunter Patrick Söderlund und Rob Runesson – hat das Studio mit Arc Raiders und The Finals zwei eigenständige Multiplayer-Marken aufgebaut.
Arc Raiders erschien 2025 und entwickelte sich schnell zu einem kommerziellen Erfolg. Im Februar 2026 bestätigte Publisher Nexon mehr als 14 Millionen verkaufte Einheiten. Das Spiel ist für PC, PS5 und Xbox Series X/S erhältlich und positioniert sich als Extraction-Shooter mit kooperativen Elementen. Embark Studios wird von Nexon finanziert, dem südkoreanischen Gaming-Konzern, der 2019 eine Mehrheitsbeteiligung am Studio erwarb – agiert aber weitgehend eigenständig.
Wer ist Rob Runesson?
Rob Runesson war einer der Mitgründer von Embark Studios und bekleidete dort die Position des Chief Creative Officer (CCO). In dieser Rolle war er maßgeblich für die kreative Ausrichtung des Studios verantwortlich – einschließlich der Entwicklung von Arc Raiders und The Finals. Vor der Gründung von Embark war Runesson bei DICE tätig, dem schwedischen Studio hinter der Battlefield-Reihe, und gilt als erfahrener Spieleentwickler mit jahrzehntelanger Branchenerfahrung.
Die Vorwürfe und die externe Untersuchung
Im März 2026 wurden schwere Vorwürfe gegen Runesson öffentlich. Eine Streamerin, die den Embark-Shooter The Finals regelmäßig auf ihrer Plattform begleitete, warf dem CCO sexuelles Fehlverhalten vor. Sie erklärte, sich durch sein Verhalten zunehmend unwohl gefühlt zu haben – sich jedoch aufgrund ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit von der Promotion des Spiels nicht dagegen wehren zu können.
Embark Studios reagierte umgehend und beauftragte eine externe Anwaltskanzlei mit einer unabhängigen Untersuchung. Das Ergebnis: Die Vorwürfe konnten nicht bestätigt werden.
„Wir nehmen solche Angelegenheiten sehr ernst und haben im Rahmen unseres Vorgehens bei jeglichen Vorwürfen umgehend eine Anwaltskanzlei mit einer externen Untersuchung beauftragt. Die Untersuchung bestätigte die Vorwürfe nicht. Aber wir hielten die Situation für untragbar und haben uns einvernehmlich von Rob getrennt.”
Die Streamerin selbst wollte sich auf Nachfrage nicht weiter äußern, behauptete jedoch, dass „einige der kursierenden Behauptungen aus dem Zusammenhang gerissen oder irreführend waren.” Konkrete Beweise für ein Fehlverhalten Runessons legte sie nicht vor.
Einvernehmliche Trennung trotz fehlender Beweise – ein Branchenphänomen
Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie geht ein Unternehmen mit Vorwürfen um, die sich in einer Untersuchung nicht bestätigen lassen, aber dennoch das Betriebsklima belasten? Embark Studios entschied sich für eine einvernehmliche Trennung. Ähnliche Fälle gab es in der Branche bereits mehrfach:
| Studio / Unternehmen | Betroffene Person | Vorwurf | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Embark Studios | Rob Runesson (CCO) | Sexuelles Fehlverhalten | Einvernehmliche Trennung (Vorwürfe nicht bestätigt) |
| Ubisoft | Mehrere Führungskräfte | Toxische Unternehmenskultur, Belästigung | Rücktritte, interne Umstrukturierung (2020) |
| Activision Blizzard | Bobby Kotick u. a. | Diskriminierung, Belästigung | Klage, Kulturwandel, Übernahme durch Microsoft |
| Riot Games | Mehrere Mitarbeiter | Sexismus, toxische Arbeitskultur | Vergleich, Diversity-Programme (2019–2021) |
Die Entscheidung, sich trotz nicht bestätigter Vorwürfe zu trennen, kann verschiedene Gründe haben: den Schutz des Unternehmensimages, die Vermeidung weiterer öffentlicher Diskussionen oder eine einvernehmliche Einigung, die nicht vollständig kommuniziert wird.
Embark Studios: Pioniere mit KI und kleinem Budget
Embark Studios steht für einen ungewöhnlichen Ansatz in der AAA-Spieleentwicklung. Das Studio entwickelt Arc Raiders nach eigenen Angaben mit einem Bruchteil des üblichen AAA-Budgets und setzt dabei stark auf KI-gestützte Entwicklungswerkzeuge – etwa bei der Generierung von Assets und der Optimierung von Spielmechaniken. Dieser Ansatz macht Embark zu einem Vorreiter in der Diskussion über den Einsatz von KI in der Spieleentwicklung.
Mit The Finals hat Embark außerdem einen weiteren Free2Play-Shooter im Portfolio, der seit seinem Launch Ende 2023 eine treue Spielerbasis aufgebaut hat und regelmäßig mit neuen Seasons versorgt wird.
Update 1.20: Il-Toro-Balancing und Bugfixes
Parallel zu den Personalentscheidungen veröffentlichten die Embark Studios das Update 1.20 für Arc Raiders. Im Mittelpunkt steht die Waffe Il Toro, die aufgrund ihrer hohen Effektivität in der Community als zu stark eingestuft wurde.
„Wir haben die Il Toro überarbeitet, um ihren Schaden pro Sekunde (DPS) und ihre Effektivität auf Distanz anzupassen – insbesondere in Kombination mit einem Choke-Aufsatz. Zudem nehmen wir Änderungen vor, damit sie sich eher wie eine Waffe ihrer Seltenheitsstufe verhält.”
Neben dem Waffen-Balancing adressiert das Update auch unrechtmäßige Banns, die in der Vorwoche für Unmut in der Community gesorgt hatten.
Arc Raiders: Wie geht es nach dem Personalwechsel weiter?
Trotz der internen Turbulenzen zeigt Arc Raiders keine Anzeichen einer Verlangsamung. Mit 14 Millionen verkauften Einheiten und einer aktiven Community ist das Spiel fest im Multiplayer-Markt etabliert. Die Trennung von Rob Runesson als CCO hinterlässt eine kreative Lücke, die Embark Studios füllen muss. Ob und wie das Studio die Position neu besetzt, ist bislang nicht bekannt.
Für Spieler ändert sich durch den Personalwechsel zunächst nichts: Updates, neue Inhalte und der laufende Betrieb der Server sind nicht betroffen. Arc Raiders und The Finals bleiben die tragenden Säulen des Studios – und deren Weiterentwicklung hat höchste Priorität.