Nur wenige Tage nach dem Release von Anno 117: Pax Romana am 13. November 2025 sieht sich Ubisoft mit einer Kontroverse konfrontiert, die in der Gaming-Branche zunehmend für Diskussionen sorgt: der Einsatz von künstlicher Intelligenz bei der Erstellung von Spielinhalten. Spieler entdeckten auf einem Ladebildschirm eine Grafik mit offensichtlichen KI-Artefakten – darunter deformierte Gesichter, falsche Proportionen und unnatürliche Körperteile.
Was ist passiert? Die KI-Grafik im Detail
Das umstrittene Artwork zeigt eine Bankett-Szene in einem römischen Palast mit Dutzenden Gästen. Auf den ersten Blick wirkt die Illustration atmosphärisch, doch bei genauerer Betrachtung fallen typische Fehler der KI-Bildgenerierung auf: Gesichter im Hintergrund sind verschmiert oder entstellt, Gelenke und Gliedmaßen passen nicht zusammen, und vereinzelte Linien erscheinen fehl am Platz.
Besonders brisant: Anno 117: Pax Romana ist das erste Ubisoft-Spiel, das auf Steam mit einem speziellen KI-Disclaimer erscheint. Dort heißt es: „KI-Tools wurden verwendet, um bei der Erstellung einiger Spiel-Assets zu helfen.” Diese Transparenz ist zwar lobenswert, doch die Qualität der betroffenen Grafik sorgte für Unmut in der Community.
Ubisofts offizielle Stellungnahme: Platzhalter statt finales Artwork
In einer Stellungnahme bestätigte Ubisoft den Einsatz von KI und erklärte die Hintergründe: „Dieses Bild war ein Platzhalter-Asset, das unbeabsichtigt durch unseren Prüfprozess gerutscht ist.” Mit dem kommenden Update 1.3 werde die fehlerhafte Grafik durch eine finale, von Menschenhand erschaffene Version ersetzt.
Weiter heißt es: „Da Anno 117: Pax Romana unser bislang ambitioniertestes Anno ist, haben wir das größte Artist-Team in der Geschichte der Reihe zusammengestellt. Um dem einzigartigen Umfang des Projekts gerecht zu werden, nutzen sie KI-Werkzeuge für Iterationen, Prototyping und Exploration. Jedes Element, das die Spieler im finalen Spiel erleben werden, spiegelt das Können, die Kunstfertigkeit und die kreative Vision des Teams wider.”
KI in der Spieleentwicklung: Fluch oder Segen?
Der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Spieleentwicklung ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits können KI-Tools Entwicklern helfen, schneller Konzepte zu visualisieren und Ressourcen effizienter zu nutzen. Gerade bei großen Projekten wie Anno 117: Pax Romana können solche Werkzeuge den Workflow beschleunigen.
Andererseits sorgt der Einsatz von KI für Unmut bei Künstlern und Fans gleichermaßen. KI-Modelle werden mit Millionen von Bildern trainiert, die oft ohne Zustimmung der ursprünglichen Künstler verwendet werden. Das wirft ethische Fragen auf und führt zu Befürchtungen, dass menschliche Kreativität durch Algorithmen ersetzt wird.
Im Fall von Anno 117: Pax Romana kommt erschwerend hinzu, dass Ubisoft Mainz ein Triple-A-Studio mit fast 200 Mitarbeitern ist und die Entwicklung des Spiels vom deutschen Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit 100 Millionen Euro gefördert wurde.
Vergleich: KI-Einsatz in aktuellen Spielen
| Spiel | KI-Einsatz | Reaktion der Community |
|---|---|---|
| Anno 117: Pax Romana | KI-generierte Ladebildschirm-Grafik (Platzhalter) | Kritik wegen offensichtlicher Fehler |
| Call of Duty: Black Ops 7 | Verdacht auf KI-generierte Texturen | Heftige Kritik, Forderungen nach Transparenz |
| Starfield | KI-gestützte Dialoggenerierung (experimentell) | Gemischte Reaktionen |
| Cyberpunk 2077: Phantom Liberty | Keine bekannten KI-generierten Inhalte | Positive Resonanz für handgefertigte Artworks |
Die Anno-Serie und ihre künstlerische Tradition
Die Anno-Reihe ist seit dem ersten Teil Anno 1602 aus dem Jahr 1998 für ihre detailverliebten, handgezeichneten Illustrationen bekannt. Besonders Anno 1800, das 2019 erschien, beeindruckte mit atmosphärischen Artworks, die die industrielle Revolution und das viktorianische Zeitalter lebendig werden ließen. Diese Grafiken trugen maßgeblich zur Immersion bei und galten als Markenzeichen der Serie.
Anno 117: Pax Romana führt die Spieler ins antike Rom zur Zeit der Pax Romana, der römischen Friedensperiode in den ersten zwei Jahrhunderten nach Christus. Als Statthalter bauen Spieler Provinzen von den sonnigen Herzlanden Latiums bis zu den nebligen keltischen Sumpfgebieten Albions auf. Das Spiel bietet neue Features wie ein Religionssystem, Landschlachten und eine verbesserte Grafik-Engine.
Community-Reaktionen: Enttäuschung und Verständnis
In den sozialen Medien und Foren zeigen sich Spieler gespalten. Viele äußern Enttäuschung darüber, dass ein so großes Studio mit umfangreicher Förderung auf KI-Platzhalter zurückgreift. Andere wiederum zeigen Verständnis für den Einsatz moderner Tools, solange das finale Produkt stimmt. Ein häufig genannter Kritikpunkt: Wenn KI nur für Prototyping genutzt wird, hätte die fehlerhafte Grafik niemals ins Spiel gelangen dürfen.
Was bedeutet das für die Zukunft der Serie?
Ubisoft hat angekündigt, die fehlerhafte Grafik mit Update 1.3 zu ersetzen und verspricht, dass alle finalen Inhalte von menschlichen Künstlern stammen. Dennoch bleibt die Frage, wie transparent Publisher in Zukunft mit dem Einsatz von KI umgehen werden. Der Steam-Disclaimer ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch Spieler fordern mehr Details darüber, wo und wie KI eingesetzt wird.
Für Anno 117: Pax Romana plant Ubisoft eine umfangreiche Post-Launch-Unterstützung mit neuen Inhalten, darunter Ägypten als zusätzliches Gebiet. Ob die KI-Kontroverse langfristige Auswirkungen auf die Wahrnehmung des Spiels haben wird, bleibt abzuwarten.
Für eine zukünftige Aufwertung des Artikels auf Gamer.org bietet sich an, nach Veröffentlichung von Update 1.3 einen Vergleich der alten und neuen Grafik zu zeigen. Ebenfalls sinnvoll wäre ein Hintergrundartikel zur Rolle von KI in der Spieleentwicklung mit Experteninterviews sowie eine Übersicht weiterer Spiele, die KI-Tools einsetzen.